Ich will zum Film!

Gebrauchsanleitung für Filmhochschulen

1.3.2005 | Alva Gehrmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Am Montagmorgen wird erst mal ein Film angesehen, über den sprechen die Schüler/innen dann bis mittags. “Welches andere Studium startet so traumhaft in die Woche?“, fragt Britta Wauer. Wohl keins. Die 30-Jährige ist Absolventin der dffb – der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Dort hat sie vier Jahre Regie studiert. Für ihren Abschlussfilm “Heldentod“ bekam sie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie “Förderpreis“. Das war 2001. Nun ist Wauer wieder nominiert, dieses Mal für den angesehenen Grimme Preis. Gemeinsam mit Sissi Hüetlin hat sie für ARTE/ZDF den Dokumentarfilm “Die Rapoports - Unsere drei Leben“ gemacht. Er erzählt die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Ehepaars zwischen den politischen Systemen des 20 Jahrhunderts.

dffb-Absolventin Britta Wauer legte also einen Traumstart hin. Wer einen der begehrten Studienplätze an der Filmhochschule bekommt, hat gute Chance, später Karriere zu machen. Hollywoodregisseur Wolfgang Petersen ist wie Hannes Stöhr (“Berlin is in Germany“) Absolvent der dffb. Auch Filmgrößen wie Roland Emmerich, Bernd Eichinger, Caroline Link und Wim Wenders erlernten ihr Handwerk auf einer Filmhochschule.

Klein anfangen


Fünf Filmhochschulen gibt es in Deutschland. Neben der dffb sind das die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) “Konrad Wolf“ in Potsdam, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Hamburg Media School und die Hochschule für Film und Fernsehen München. Außerdem bietet die Fachhochschule Dortmund im Rahmen des Studienganges Film/Fernsehen die Studienrichtung Kamera an.

Regie, Kamera, Drehbuch und Produktion sind die gängigsten Fächer an Filmhochschulen, die Akademie in Baden-Württemberg verfügt zusätzlich über ein eigenes Institut für Animation. Das gibt es an der “Konrad Wolf“ ebenfalls, zudem bietet die Potsdamer Schule den Studiengang Medienwissenschaft an. Während sich an einer normalen Universität die Studenten in den Hörsälen drängeln, geht es auf den Filmhochschulen anders zu. An der dffb etwa besteht ein Jahrgang im Studienfach Regie aus gerade mal sechs Schüler/innen. Dadurch kann sehr intensiv mit jedem Einzelnen gearbeitet werden.
Die Dozent/innen kommen dabei überwiegend aus der Praxis. An der Hamburg Media School, die vom Regisseur Hark Bohm gegründet wurde, unterrichten zum Beispiel Filmemacher wie Dieter Wedel, Sönke Wortmann (“Das Wunder von Bern“) und Fatih Akin (“Gegen die Wand“). Sie wissen genau, was den Nachwuchsfilmern später im Alltag abverlangt wird.

Gegen Hierarchien

Das Studium an Filmhochschulen ist praxisorientiert. An der dffb gilt im Grundstudium das Jeder-lernt-und-macht-alles-Prinzip. Das heißt: Alle Studierenden, egal, ob sie sich für Produktion, Kamera oder Regie beworben haben, lernen in den ersten zwei Jahren Licht zu setzen, eine Kamera zu bedienen, Ton aufzunehmen, Schauspieler zu führen oder auch zu schneiden. “Das gibt jedem ein Grundgefühl für die Möglichkeiten und Grenzen der Mitarbeiter am Set“, erinnert sich Regisseurin Britta Wauer. “Ich fühle mich oft sicherer, weil ich weiß, was ich von meinen Mitarbeitern verlangen kann, auch wenn sie behaupten, irgendwas sei nicht möglich.“

Auch an der Filmakademie Baden-Württemberg studieren alle Schüler/innen in den ersten zwei Jahren zusammen. “Dabei lernen wir schnell, dass jede/r Einzelne in einer Filmproduktion wichtig ist“, sagt Freya Johannsen, sie hat gerade ihr Diplom als Drehbuchautorin bekommen. “Denn was nützt ein toller Regisseur oder ein gutes Drehbuch, wenn es keine guten Beleuchter gibt oder der Ton nicht stimmt.“ Teamfähigkeit gehört eben auch zu den Filmberufen. Vier Jahre studierte Johannsen an der Filmakademie. Die von den Drehbuchstudenten entwickelten Geschichten werden dabei von den Kamera- und Regiestudenten umgesetzt.

Die Filmakademie befindet sich in Ludwigsburg, es ist eine kleine Stadt und hier spielt sich viel um die Akademie ab. Auch nach Feierabend laufen sich Schüler/innen und Dozent/innen oft über den Weg und so werden in der Kneipe noch wichtige Kontakte für die Zukunft geknüpft. Beschaulich ist es auch in Potsdam, dennoch befindet sich die “Konrad Wolf“ (HFF Potsdam) an einem berühmten Ort. Die Hochschule liegt direkt auf dem Gelände der Studio Babelsberg, dort, wo schon Klassiker wie “Metropolis“ gedreht wurden oder vor kurzem die Filme “The Bourne Supremacy“ mit Matt Damon und “In 80 Tagen um die Welt“ mit Jackie Chan.

Britta Wauer befindet sich derzeit in Washington, dort recherchiert sie für ihr nächstes Projekt.
So wichtig die Filmhochschule für die Regisseurin auch war: “Nichts geht über die Erfahrungen, die man außerhalb der Schule im wirklichen Filmleben erwirbt.“

An jeder Filmhochschule gibt es unterschiedliche Aufnahmebedingungen. Unabhängig davon, ob man sich für Regie, Kamera, Drehbuch bewirbt, ist es immer hilfreich, vorab schon Erfahrungen in der Filmbranche zu sammeln - zum Beispiel durch Praktika. An der dffb ist das Mindestalter 21 Jahre, Lebenserfahrungen sind also durchaus erwünscht.

Alva Gehrmann ist freie Journalistin.

Fotos: "Seminar Martin Kukula", "Seminar Andreas Dresen" / © dffb



www.dffb.de
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin/Drehbuch-Akademie

www.hff-potsdam.de
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"

www.hff-muc.de
Hochschule für Fernsehen und Film München

www.filmakademie.de
Filmakademie Baden-Württemberg

www.hamburgmediaschool.de
Hamburger Media School

www.fh-dortmund.de
Fachhochschule Dortmund




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