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fluter.de: Herr Prof. Dillmann, wenn ich Sie am Institut für Anthropomatik in Karlsruhe besuche, wer begrüßt mich am Empfang: ein Mensch oder ein Empfangsroboter?
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Der Automatisierungsgrad heutiger Maschinen hat sich durch neue Rechner- und Werkstofftechnologien stark erhöht. Die Systeme sind komplexer geworden. Früher hat man nur sehr rudimentär in die Prozesse eingegriffen: Man konnte an- und abschalten. Neben solchen quantitativen Schnittstellen gibt es heute auch qualitative Schnittstellen. Ich möchte das am Automobil festmachen. Man kann lenken, Gas geben und bremsen. Heute gibt es jedoch Systeme, die bei zu hohen Geschwindigkeiten den Abstand zum vorderen Automobil verändern. Andere Systeme beobachten den Fahrer, ob er müde ist oder gesundheitliche Probleme hat, und greifen unter Umständen ein. Hier haben wir es mit neuartigen, intelligenten Schnittstellen zu tun.
Emotionen sind nicht messbar
Am IFA forschen Sie zu Lernprozessen und zu Emotionen. Maschinen sollen menschliches Verhalten lernen. Wo liegen hier für Sie als Forscher die größten Schwierigkeiten?
Sehr interessant ist das soziale Verhalten. Wie verhalten sich Menschen untereinander, zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der privaten Umgebung oder in einem Fußballteam. Hier wird das Erkennen von Situationen vorausgesetzt, was dem Menschen mit seiner Wahrnehmungsfähigkeit und Erfahrung gut gelingt: Was machen die Menschen und was ist ihre Intention? Bisher hat man Roboter als Maschinen, die wie Sklaven arbeiten, entwickelt, die, wenn man ihnen Befehle gibt, diese umgehend ausführen. Maschinen sollen aber auch proaktiv eingreifen können, wenn dies erforderlich ist. Ein Roboter kann beispielsweise einen behinderten Menschen unterstützen und in einer bestimmten kritischen oder gefährlichen Situation aktiv werden, dafür muss er das Handeln der Menschen verstehen. Falls Handlungen im Affekt oder Zorn geschehen, wäre ich zurückhaltend in der Beurteilung, ob ein Roboter diese mithilfe von Sensoren erkennen und verstehen kann. Bislang können wir Emotionen, wie sie beim Menschen auftreten, nicht messen, sondern nur beobachten. Das entspricht meiner bisherigen Erfahrung auf diesem Gebiet.
Am IFA will man die direkte Kommunikation zwischen Mensch und Maschine fördern.
Ja, wir sind fünf Lehrstuhlinhaber plus zwei Forschungsprofessoren. Eine Forschungsgruppe um Professor Waibel beschäftigt sich mit der Spracherkennung und multilingualen Sprachübersetzung. Wichtig ist hierbei auch die Gestik, Körpersprache und Mimik des Menschen als Teil der Kommunikation. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Personal Robot zu Hause und Sie möchten ihn auf ein Abendessen oder das Reinigen der Wohnung programmieren. Dann wollen Sie ganz natürlich nach Ihren Kommunikationsgewohnheiten mit der Maschine sprechen. Durch solch eine direkte Kommunikation kann der Mensch intuitiv auf die Maschine zugreifen.
Die Bedienung wird also immer intuitiver. Lässt uns das irgendwann vergessen, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben?
Das glaube ich nicht. Eine Maschine ist immer eine Maschine. Die Entwicklung von Avataren – Kunstmenschen – oder Androiden, die tatsächlich menschenähnlich agieren und uns aus Büchern oder Filmen als Genre oder Charaktere bekannt sind, kann ich mir als Wissenschaftler nicht vorstellen.
Intelligente Systeme
Aber verlieren wir nicht den Einfluss über die Maschine, wenn wir sie immer intuitiver bedienen und vor allem nicht mehr jeden Schritt überwachen?
Es geht vor allem um die Entlastung des Menschen von schweren und monotonen Routinearbeiten. Dennoch sollte man sich nicht von der Realität verabschieden. Man muss trennen zwischen einer intelligenten Umgebung, einem so genannten Smart-Haus oder einer Smart-City, wo es zahlreiche Roboter in Form von Transportmitteln, Einkaufs- oder Navigationshilfen gibt oder gar Systeme, die Arzttermine im Bedarfsfall per Funk vornehmen. Zugleich geht es um die Selbstständigkeit der Menschen in solchen Zukunftsszenarien. Schauen wir uns die Altenpflege an: Künftig sollen Systeme den Gesundheitszustand, aber auch die Nahrungsaufnahme des Menschen überwachen und die Kommunikation nach außen übernehmen. Das kann schnell zur Entmündigung des Menschen führen. Hier muss man klare Grenzen ziehen: Wir entwickeln Systeme für den Menschen, die ihn entlasten, die ihm jedoch genug persönliche Entscheidungsfreiräume und Lebensqualität lassen.
Sonja Ernst ist freie Journalistin und lebt in Köln.
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