Young Adam

Die Ausgehungerten

Kinostart: 9.12.2004 | Annette Kilzer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Dieser Film brodelt förmlich vor Gefühlen: eine intensive, aufwühlende Studie über sexuelle Obsession, unerfüllbare Leidenschaft und tödliche Geheimnisse. David Mackenzie, in seiner schottischen Heimat nach diversen Kurz- und Fernsehfilmen und seinem Kinodebüt "The Last Great Wilderness", einem irritierenden Mix aus Horrorfilm, Roadmovie und Satire, schon lange als Up-and-coming-Kult-Regisseur gefeiert, rückte mit "Young Adam", diesem Meisterwerk über emotionales und sexuelles Ausgehungertsein, bei den Filmfestspielen in Cannes in den Fokus der internationalen Filmwelt.
Vor dem Hintergrund des grauen, tristen und bitterarmen Glasgow der 1950er-Jahre entfaltet "Young Adam" (nach einem Roman des vergessenen schottischen Beat-Literaten Alexander Trocchi) die Geschichte dreier verlorener Seelen: Da ist Les, ein hart arbeitender und hart trinkender Binnenschiffer, gespielt von Peter Mullan mit jener nach außen so souverän demonstrierten Männlichkeit, die innerlich jedoch von Zweifeln durchwoben und zerfressen ist. Da ist seine Frau Ella (Tilda Swinton), der das Boot auf dem Clyde River gehört. Und schließlich Joe (Ewan McGregor), ein verträumter, melancholischer junger Mann, einst selbst Schriftsteller, der die Krise in seinem Leben mit Knochenarbeit zu bewältigen – oder zu verdrängen? – versucht. Les und Joe sind wie Brüder, die sich in der Wanne gegenseitig den Rücken schrubben, Ella wie eine Mutter der beiden – bis sie in der Frustration über Les’ Versagen eine leidenschaftliche Amour fou mit Joe beginnt. Gleichzeitig verfolgt die drei das Schicksal einer jungen Frau, die Les und Joe zu Anfang tot aus dem Fluss fischen – und die, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt, Teil von Joes düsterem Geheimnis ist.

Als verzweifelter, verlorener, aber auch verschlagener und am Leben gescheiterter Mensch liefert Ewan McGregor eine der besten Performances seiner Karriere ab. Man will sich mit ihm in den Sog der Leidenschaften werfen, will sich ihm hingeben wie Ella – und weiß zugleich, dass dieser Getriebene einem nur Unglück und Tod bringen kann. Ein Film zwischen Wunsch- und Alptraum, im selben Moment fast unerträglich und doch auch unerträglich schön.
Annette Kilzer

Young Adam, Großbritannien, Frankreich 2003, Buch und Regie: David nach dem Roman von Alexander Trocchi, mit Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley, Ewan Stewart, Stuart McQuarrie, Pauline Turner, ab 16, Kinostart: 9. Dezember 2004 bei Alamode

Foto: Verleih


www.sonyclassics.com
Website zum Film (englisch)
www.alamodefilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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