Bad Santa

Den Menschen kein Wohlgefallen

Kinostart: 18.11.2004 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Wenn es in diesem Jahr etwas gibt, das einen heil durch die Vorweihnachtszeit bringen kann, dann ist es Billy Bob Thornton als saufender, kotzender, pissender, pöbelnder und (last but not least) kleine Kinder verprügelnder Weihnachtsmann. Der "Weihnachtsfilm" hat schon einige Stadien der Pervertierung hinter sich, aber was Regisseur Terry Zwigoff mit "Bad Santa" veranstaltet, ist mit exzentrisch nur unzulänglich beschrieben. Der Film schlägt geradezu ins Surreal-Fäkalistische. Zwigoff ist seine Weihnachtsgeschichte mit der Sensibilität eines Fans amerikanischer Underground-Comics (die Dokumentation "Crumb" und die Adaption von Daniel Clowes Kult-Comic "Ghost World" gehen ebenfalls auf sein Konto) angegangen. Er hat seinen Dickens verstanden und ihn konsequent ins Gegenteil verkehrt.

Thornton spielt einen Penner, der sich jedes Jahr zu Weihnachten zusammen mit seinem kleinwüchsigen, afroamerikanischen Partner ("the angry elf") in Shopping-Malls als Santa Claus anheuern lässt, um zum Höhepunkt des Geschäftsrummels die Safes leer zu räumen. Mit Kindern hat er es nicht so und auch sonst gibt er keine Vorbildfigur ab. Zwischen zwei Schüben von Grundschulklassen vögelt er in der Umkleidekabine übergewichtige Kundinnen und wenn er mal wieder die Nacht durchgesoffen hat, kommt er am nächsten Morgen im vollgepissten Weihnachtsmann-Outfit zur Arbeit.
"Bad Santa" hat seinen einen Witz sehr schnell erzählt und walzt ihn danach mit einer bewundernswerten Hartnäckigkeit aus. Aber in seiner ganzen Obszönität kommt mitunter auch eine fäkale Blumigkeit zum Ausdruck. Die Variationen von Sarkasmus, Zynismus und Nihilismus sind so fließend und resonant, dass seine Stumpfheit nicht ins Gewicht fällt. "Bad Santa" ist ein kleiner dreckiger Film, der sich keiner Zielgruppe anzubiedern versucht. Für jeden brillanten Dialog riskiert er drei lahme Kalauer. Erfreulich zu sehen, dass die Coen-Brüder, die hier als ausführende Produzenten fungieren, sich für solche Stoffe noch nicht zu schade sind. Als Weihnachtsfilm ist "Bad Santa" ein krasser Außenseiter, schwer soziabel und verhaltensauffällig. Das hat er mit seiner Hauptfigur gemein. Dessen Leben lässt sich, wie Thorntons Partner so schön sagt, auf drei große Bs reduzieren: booze, bullshit, butt-fucking.
Andreas Busche

Bad Santa, USA 2003, Regie: Terry Zwigoff, Buch: Glenn Ficarra, John Requa, mit Billy Bob Thornton, John Ritter, Lauren Graham, Bernie Mac, Tony Cox, Brett Kelly, Lauren Tom, Kinostart: 18 November 2004 bei Columbia TriStar

Foto: Verleih


www.badsantamovie.com
Website zum Film (englisch)
www.badsanta-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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