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Der neunte Tag
Ein Mann und sein Gewissen
Bodo Traber | Kinostart: 11.11.2004
Nach Oliver Hirschbiegels "
Der Untergang" und demnächst gefolgt von Dennis Gansels "Napola" (Kinostart: 13. Januar 2005) liefert der 65-jährige Volker Schlöndorff, einst - neben
Fassbinder - Zentralfigur des Neuen Deutschen Films, nun seinen Beitrag zur aktuellen Welle an Filmen über das 3. Reich. "
Der neunte Tag" gibt sich eisern unbeeindruckt von der morbiden Faszination, die das NS-Regime auf jüngere Regisseure und Zuschauer zu haben scheint, sondern variiert ein Standardthema des Regisseurs: die Rolle des Einzelnen in einem repressiven System, dem er sich nur anpassen oder - bisweilen mit schrecklichen Folgen - verweigern kann.
Der kammerspielartige Film greift einen geradezu unglaublichen Fall auf und entwickelt ihn zu einem Gleichnis über Schuld und Versuchung: Der Luxemburger Priester Henri Kremer (Ulrich Matthes), der als Résistance-Aktivist in Dachau interniert wurde, erhält neun Tage Urlaub, darf die Hölle des Konzentrationslagers so lange verlassen und zu seiner Familie heimkehren. Diese und die anderen Priester in Dachau haften mit ihrem Leben dafür, dass er nicht zu fliehen versucht. Die Gegenleistung, die der SS-Mann Gebhardt (August Diehl) von ihm erwartet, scheint denkbar gering: Kremer soll im Namen der katholischen Kirche Luxemburgs die Judenpolitik des 3. Reichs anerkennen. Dann braucht er nicht in die Hölle zurückzukehren. Ein neun Tage langes psychologisches Duell schließt sich an, bei dem sich die Machtposition fast unmerklich zu verschieben beginnt.
Verglichen etwa mit Hirschbiegels Bunker-Kasperletheater ist dies zumindest der deutlich seriösere Film. Ein wichtiger Diskurs auch zweifellos zur Rolle der katholischen Kirche während des größten Völkermords aller Zeiten. Dennoch bleibt außer den eindrucksvollen Darstellerleistungen von Ulrich Matthes und August Diehl nicht viel von ihm in Erinnerung. Schlöndorff inszeniert in Symbolen, das Konzentrationslager als buchstäblichen Ort der Kreuzigung und des Fegefeuers, den schuldbeladenen Priester, der sich den Tod eines Mithäftlings vorwirft, als erzengelhaft Leidenden, den zur SS "konvertierten" Diakon Gebhardt als glatten, lächelnden Mephisto mit dem Teufelspakt. Das alles ist zu prätentiös und gleichzeitig zu bieder, als dass es wirklich berühren oder echtes Interesse an den Figuren wecken könnte. Es bleibt bei der (drastisch) bebilderten These, bei der Vorlage zur anschließenden Podiumsdiskussion. Kino für Gymnasiallehrer. Und solche, die es werden wollen.
Bodo Traber
Der neunte Tag, Deutschland, Luxemburg 2004, Regie: Volker Schlöndorff, Buch: Eberhard Görner, Andreas Pflüger nach dem Buch "Pfarrerblock 25487" von Jean Bernard, mit Ulrich Matthes, August Diehl, Hilmar Thate, Bibiana Beglau, Germain Wagner, Jean-Paul Raths, Ivan Jirik, Kinostart: 11. November 2004 bei Progress
Foto: Verleih
www.derneuntetag.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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