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Der Untergang

Letzte Tage im Bunker

Kinostart: 16.9.2004 | Peter Zemla | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Dass die Titanic am Ende untergehen wird, wussten die Zuschauer, bevor sie sich James Camerons Drama ansahen. Ebenso klar ist, wenn Hitlers letzte Tage im Bunker der Berliner Reichskanzlei geschildert werden, dass am 30. April 1945 Deutschland in Trümmern liegt und dass der selbst ernannte Führer mit einem Einschussloch im Kopf in einem Erdloch zu nichts verbrennt. Alles andere wäre grober Unfug.

Zu solchem sind Drehbuchautor und Produzent Bernd Eichinger und sein Regisseur Oliver Hirschbiegel glücklicherweise nicht aufgelegt. Nahezu alles, was sie in "Der Untergang" zeigen, ist historisch verbürgt. Hitlers Sekretärin Traudl Junge und Starhistoriker Joachim Fest sind die unstrittigen Gewährsleute, auf die sich Eichinger und Hirschbiegel stützen. Geschichtsklitterung wird man ihnen folglich nicht vorwerfen können. Wohl aber, mit der Zeit und der Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer allzu sorglos umgegangen zu sein. Schließlich will "Der Untergang" ein Spielfilm sein, soll als solcher fesseln, emotionale Verstrickungen aufzeigen und ein Stück Menschendrama durchdeklinieren. Dazu reicht es nicht, sprechende Köpfe zu zeigen, wie es in "Der Untergang" mit seinen strapaziösen 150 Minuten Lauflänge viel zu oft der Fall ist.

Im Fall von "Titanic" ist man dieser Gefahr entgegengetreten mit einer bewegenden Liebesgeschichte, die sich zur Heldentragödie gesteigert hat. Eichinger und Hirschbiegel aber haben keine Helden parat. Dass sie deshalb weitgehend darauf verzichten, ihre Geschichte zu personalisieren, Schicksale zu schaffen, in die man sich als Zuschauer hineinfühlen kann, ist jedoch nicht verzeihlich.

Warum also sollte man sich "Der Untergang" anschauen? Es gibt einen sehr guten Grund, aber leider auch nur diesen einen: die exzellenten Schauspieler. Die erste Riege der deutschen Darsteller ist hier zu bewundern. Ob Ulrich Matthes als Goebbels, Corinna Harfouch als seine Frau Magda, ob Heino Ferch als Speer oder Juliane Köhler als Eva Braun, alle leisten sie Vorzügliches. Aber natürlich ist Hitler das Zentrum dieses Films. Wie Bruno Ganz ihn mit jeder Falte und jedem Muskel verkörpert, ist schlicht grandios. Ganz spielt einen gebrochenen Mann, der seine letzten Energien dazu benutzt, um seinen Menschen verachtenden Größenwahn aus sich herauszuwürgen. Ein Monster ist er, aber auch eine Witzfigur. Bruno Ganz übertreibt nicht, nicht in einer Szene. Hitler war beides. Wie Deutschland diesem Unmenschen nur hat verfallen können, darauf weiß auch "Der Untergang" keine Antwort.
Peter Zemla

Der Untergang, Deutschland 2004, Regie: Oliver Hirschbiegel, Buch: Bernd Eichinger, mit Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Juliane Köhler, Heino Ferch, Christian Berkel, Matthias Habich, Thomas Kretschmann, Michael Mendl, André Hennicke, Ulrich Noethen, Kinostart: 16. September 2004 bei Constantin

Foto: Verleih


www.deruntergang-special.film.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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