Und jetzt schlägt Regisseur George Lucas wieder zu. Zum fünften Mal bringt er einen "Star Wars"-Film ins Kino, diesmal "Episode II - Angriff der Klonkrieger". Sein Anspruch ist derselbe geblieben, das heißt er muss wie noch jedes Mal in jeder Beziehung einen draufsetzen. "Episode II" dürfte alle Rekorde brechen, die Lucas ohnehin schon hält - vor allem die ökonomischen. Und sein Imperium hat alles unter Kontrolle: das beispiellose Merchandising, den sorgfältig vorbereiteten Hype, den weltweit gleichzeitigen Start in 20 Sprachen, um Internet-Raubkopien zu verhindern.
Der bisherige Höhepunkt
Der Film selbst ist ein Special-Effects- und Kampfspektakel und der bisherige Höhepunkt in Lucas' Streben nach perfekter Illusion. Neben dem leicht dunstigen, Atem beraubenden Look seiner künstlichen Welten bleibt die Geschichte oft zweitrangig. Auch wenn "Angriff der Klonkrieger" einen wichtigen Beitrag zum Gesamtverständnis der Saga liefert und für Leute wie mich, die schon den Anfang des Phänomens "Star Wars" miterlebt haben, in mancher Hinsicht eine Rückkehr zu den Wurzeln ist.
Aber der Reihe nach. "Episode II" will erzählen, wie der süße, unschuldige Anakin Skywalker nach und nach der dunklen Seite der "Macht" verfällt und zum finsteren Darth Vader wird. Für US-amerikanische Verhältnisse revolutionär, enthüllt uns George Lucas, dass auch die übelsten Schurken nicht (nur) böse geboren werden.
Zehn Jahre danach
Zehn Jahre nach den Ereignissen aus "Episode I" treffen sich der nun 19-jährige Anakin (Hayden Christensen) und die im Vergleich jung gebliebene Königin - jetzt Senatorin - Padmé Amidala (Natalie Portman) wieder. Erstmal ganz keusch im Beisein von Anakins Ausbilder Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor). Der Jedi-Meister und sein unbeherrschter Schüler haben den Auftrag, die gute Senatorin zu beschützen. Ihr Leben ist in Gefahr, weil die galaktische Republik zerfällt. Diverse Sternensysteme drohen sich unter Führung des undurchsichtigen Graf Dooku (Christopher Lee) abzuspalten.
Die Antwort des Obersten Kanzlers Palpatine (Ian McDiarmid) ist der Versuch, eine Armee aufzustellen, die die zahlenmäßig überforderten Jedi-Ritter bei der Aufrechterhaltung der Ordnung unterstützen soll. Amidala ist dagegen, weil das ja irgendwie undemokratisch ist - und auch gute Absichten sich ins Böse verkehren können: Einer solchen Armee wäre niemand in der Galaxis gewachsen.
Warten auf "Episode III"
Nachdem mehrere Anschläge auf Amidalas Leben gescheitert sind, soll Anakin sie auf ihrem Heimatplaneten in Sicherheit bringen. Obi-Wan versucht derweil, den Urhebern der Anschläge auf die Schliche zu kommen. Und jetzt passiert natürlich, was passieren muss: Anakin und Amidala verlieben sich, obwohl es ihren politischen Ambitionen und seinem Gelübde als Jedi widerspricht. Sie kämpfen ein bisschen damit, aber wir alle wissen ja, dass die Liebe letztlich stärker ist. Obi-Wan kommt unterdessen einer viel größeren und rätselhafteren Verschwörung auf die Spur als erwartet - für deren Auflösung wir allerdings auf "Episode III" warten müssen.
Dafür wechseln alle Beteiligten öfter mal die Welt und finden zum Schluss im großen Finale wieder zusammen - einer Schlacht von Hunderten Jedi gegen unzählige Droiden, der sich dann noch zur Rettung der Jedi Hunderttausende Klonkrieger zugesellen. Das sind die späteren Stormtrooper - und es hat etwas Seltsames, die auf der guten Seite zu sehen.
"Gebrochene" Charaktere
Es ist dieses Spiel mit Gut und Böse, das "Episode II" im Kontext der gesamten "Star Wars"-Sage auszeichnet. Endlich erfahren wir, warum all unsere lieb gewonnenen Bösewichter so fies geworden sind, und dass sie mal anders waren. Das bleibt zwar relativ flach, weil Lucas doch mit sehr einfachen psychologischen Zusammenhängen arbeitet. Aber es macht die Beteiligten menschlicher.
Im Gegensatz zum duldenden Heldentum seiner Jedi-Kollegen rastet Anakin übel aus, als er seine Mutter verliert. Der miese Kopfgeldjäger Boba Fett (bekannt aus "Episode V") will bloß den Verlust des "Vaters" wieder gutmachen, genauer seines Klonvorbildes, der auch das genetische Material für die Armee der Republik liefert. Und Graf Dooku ist sauer über die Unfähigkeit der Politiker, die Republik zusammenzuhalten. Immerhin, für "Star Wars" sind das schon gebrochene Charaktere.
Das eine oder andere Aha-Erlebnis
Aber was soll's? Gerade die einfach gestrickten Figuren machen ja den Reiz von "Star Wars" aus, den wunderbaren Märchencharakter der Serie. "Episode II" ist da keine Ausnahme, auch wenn sie vor allem die Verbindungen im Gedächtnis hinterlässt, die zwischen vielen der Figuren aus den bisherigen Episoden etabliert werden. Das eine oder andere Aha-Erlebnis versöhnt beispielsweise damit, dass nicht so recht erklärlich bleibt, wieso sich eigentlich Amidala in Anakin verliebt. Oder findet sie es etwa klasse, dass ihr kleiner Jedi sich hier und da zu einem Blutbad hinreißen lässt? Nur aus Schmerz, versteht sich!
Dennoch! Insgesamt sieht "Angriff der Klonkrieger" toll aus und macht Spaß. Sein selbst erklärtes Hauptziel hat Imperator Lucas damit erreicht. Es ist faszinierend, wie er es seit 25 Jahren versteht, trotz kleinerer Ausrutscher den jeweiligen Publikumsgeschmack so gut zu treffen und gleichzeitig nach seinem Bild zu formen. Mit der actionbetonten - und der gesamten Saga stark verpflichteten - "Episode II" dürfte er auch ursprüngliche "Star Wars"-Fans wie mich wieder verstärkt ansprechen. Und damit wird Lucas auch das wahre Ziel, das hinter jedem Film steht, ansteuern: einen ordentlichen Batzen Geld zu verdienen.
(Star Wars: Episode II - Attack of the Clones) USA 2002, Regie: George Lucas, Buch: George Lucas, Jonathan Hales, mit Ewan McGregor, Natalie Portman, Hayden Christensen, Ian McDiarmid, Samuel L. Jackson, Christopher Lee, Anthony Daniels, Kenny Baker, Frank Oz, Kinostart: 16. Mai 2002 bei 20th Century Fox
Foto: Verleih
Martin Maaß ist Drehbuchautor und Journalist in Berlin. Hat selber Publizistik studiert, kann es aber als Grundlage beider Berufe nicht empfehlen.
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