B-Happy

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Kinostart: 5.8.2004 | Silke Kettelhake | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Parole "B-Happy": Auch wenn scheinbar nichts mehr geht, die 14-jährige Kathy gibt nicht auf. Die Perspektiven für den Teenager aus dem chilenischen Niemandsland stehen denkbar schlecht: keine Ausbildung, der Vater ein gewalttätiger Dieb, auf den noch niemals Verlass war, und der Bruder ein Tunichtgut mit großer Klappe. Keine Aussicht auf gar nichts. Als die Mutter stirbt, scheint der letzte Halt verloren. Doch Kathy bietet allem und allen ihre eigenwillige, kindlich-breite Stirn: "No tengo miedo de nada!" - "Ich habe vor nichts Angst." Das sagt sie sich immer wieder: keine Angst vor Hunden, vor Männern, vor der Nacht, vor dem Alleinsein, vor nichts. Scheint zu funktionieren, das einsame Sprüchlein. Weitermachen. Zähigkeit und Überlebenswillen wachsen lassen, an all den Widrigkeiten und den widerlichen Kerlen, denen sie ihren Körper verkauft: ein alptraumhafter Leidensweg zwischen Armut, Misshandlung, Prostitution und Besserungsanstalt. Und trotzdem will Kathy das Träumen nicht verlernen, denn irgendwo wird es das Meer, die Sonne und ein besseres Leben geben. Daran glaubt sie - und an die Liebe.
Als Zuschauer/in drückt man für Kathy ganz fest die Daumen, dass ihr Leben mehr wird als nur erträglich. Dank des authentischen Spiels der Laiendarsteller und der Kamera, die dicht den Körpern und den Gefühlen folgt, ohne voyeuristisch auf der Pelle zu kleben, ist Gonzalo Justiniano ein mit Würde vorgetragenes gutes Stück Schicksal gelungen. Ein kleiner Film mit großer Message: B-Happy! Die Idee zu seinem Film kam Regisseur Gonzalo Justiniano nach einer kurzen Unterhaltung mit einer jungen Kellnerin im Norden Chiles: "Dieses unglückliche Mädchen verfügte über eine beeindruckende innere Stärke, die ihr dabei half, für jedes Problem eine Lösung zu finden. Sie war für mich der lebende Beweis für jenen starken Selbsterhaltungstrieb von jungen Frauen und Männern, die das lateinamerikanische Kino normalerweise nicht zeigt: junge, ziemlich anonyme Menschen, die nicht durch Verbrechen oder Drogen in die Schlagzeilen geraten, sondern die wahre Helden sind, weil sie einen täglichen Kampf um ihre Träume vom Glück führen."
Silke Kettelhake

B-Happy, Chile, Spanien, Venezuela 2003, Regie: Gonzalo Justiniano, Buch: Fernando Aragón, Sergio Gómez, Gonzalo Justiniano, Daniela Lillo, mit Manuela Martelli, Eduardo Barril, Ricardo Fernández, Lorene Prieto, Felipe Rios, Juan Pablo Sáez, OmU, Kinostart: 5. August 2004 bei Freunde der deutschen Kinemathek

Foto: Verleih


www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.fdk-berlin.de/forum2004
Informationen zum Film aus dem Berlinale-Katalog 2004




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