Paraíso

Überall ist es besser, wo wir nicht sind

Kinostart: 22.7.2004 | Jana Schäfer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
"Die Kuba-Welle ist vorbei! Das interessiert niemanden mehr!", bekam Regisseurin Alina Teodorescu ständig zu hören, als sie Geldgeber für ihren Film "Paraíso" suchte. Doch überzeugt von ihrem Projekt - einem Porträt der jungen unbekannten Band "Madera limpia" aus der kubanischen Stadt Guantanamo - , erklärte Alina Teodorescu den Film zu ihrer Herzensangelegenheit. Sie nahm ein privates Darlehen auf und drehte mit ihrem Ehemann, dem Kameramann Sorin Dragoi, vier Wochen auf Mini-DV und Super 8, nahm anschließend die Musik der jungen Musiker auf und brachte, zurück in München, auch die CD selbst heraus.
Ein Gegenstück zu Filmen wie Wim Wenders "Buena Vista Social Club" soll der Film sein. Und tatsächlich, "Paraíso" zeigt keine gemütliche Altherren-Nostalgie, sondern den schwierigen und oft tristen Alltag der jungen Musiker. Ihre Musik kombiniert traditionellen Changuy mit Rap-, HipHop- und Reggae-Elementen. Die Texte der Songs erzählen von Frust, Langeweile und auch von typisch kubanischen Problemen, etwa, wenn man von der Geliebten wegen eines reichen, alten Ausländers, eines "Gringos", verlassen wird. Yasel, der 20-jährige Protagonist des Films, bringt das Dilemma auf den Punkt: Sein größtes Problem sei es zu leben. "Während ich lebe, merke ich, was mir fehlt. Und was mir fehlt, ist alles." Er träumt vom Paradies.

Ganz ohne die typischen Kuba-Bilder kommt allerdings auch "Paraíso" nicht aus - Szenen, die durchaus der Wirklichkeit entsprechen, aber klischeemäßig wirken. Running Gag ist ein 1957er-Chevrolet, der ständig seinen Geist aufgibt. Auch typisch: Benzin ist rar, dafür Sex allgegenwärtig. Und alle haben den Rhythmus im Blut, schwingen lasziv ihre Hüften und die Jungs geben sich als knallharte Machos: "Ein Mann kann einfach nicht nur eine Frau haben." Was wir im Westen an Materiellem zu viel haben, fehle den Kubanern, meint Regisseurin Teodorescu. Uns dagegen fehle, was die Kubaner zu viel haben: das Körperliche und das Spirituelle.
Jana Schäfer

Paraíso, Dokumentarfilm, Deutschland 2003, Regie und Buch: Alina Teodorescu, mit Yasel González Rivera, Gerald Thomas Collymore, Angel Rubio Espinoza, Rafael Ocaña Creagh, Pedro Garcia Sanchez, David Ortiz Savon, OmU, Kinostart: 22. Juli 2004 bei Kairos

Foto: Verleih


www.teo-film.com/paraiso/eng
Website zum Film (englisch)
www.kairosfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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