Panic Room

Warten auf den Director's Cut

Kinostart: 18.4.2002 | Konrad Lischka | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Die meisten Zuschauer werden bei diesem Film mehr Zeit mit der Frage verbringen, was er hätte werden können, als mit der Betrachtung dessen, was er nun geworden ist. Dennoch ist "Panic Room" nicht misslungen. Nur ist der Film eben nicht das klassische Kammerspiel in der Tradition von Polanskis "Der Tod und das Mädchen" oder Hitchcocks "Fenster zum Hof", auf das seine Anlage hoffen lässt: Eine gerade geschiedene Frau sucht mit ihrer Tochter eine Wohnung in New York. Sie ziehen in das Haus eines vor kurzem gestorbenen paranoiden Millionärs. Der hat sich dort einen so genannten "Panic Room" installieren lassen, einen stahlummantelten Sicherheitsraum mit eigener Stromversorgung, Klimaanlage, Telefonleitung und Videomonitoren, die das gesamte Haus überwachen. Genau dort hat er auch einen großen Teil seines Vermögens versteckt, was die neuen Bewohner nicht wissen. Und genau dorthin fliehen Mutter und Tochter, als drei Männer in der ersten Nacht ins Haus einbrechen. Die allerdings wissen von dem Vermögen.

Der Film experimentiert mit dieser Versuchsanordnung und zusätzlichen Elementen wie toten Telefonen, unerreichbar entfernt liegenden Mobiltelefonen, wichtigen Medikamenten, explodierenden Gasflaschen und besorgten Polizisten. Sein eigentliches Potenzial, nämlich die Interaktion der eingeschlossenen Menschen, nutzt er aber nicht. Entweder das Drehbuch ist das schwächste, mit dem David Fincher je gearbeitet hat, oder aber es ist, durch wessen Einfluss auch immer, eben zu diesem geworden. Ähnliches gilt für die Bilder: Die wenigen spektakulären Kamerafahrten und die graue Grundfarbe des Films ergeben nicht den visuellen Stil, der Finchers "Fight Club" und "The Game" zu so außergewöhnlichen Filmen machte.

Diese früheren Filme Finchers haben den Zuschauer nie mit dem Gefühl aus dem Kino entlassen, er habe tatsächlich ihr Ende gesehen. Ein befreites Aufatmen oder Lachen ließen sie nicht zu. "Panic Room" aber versucht eben das mit einem Ende zu erreichen, das nicht zum Gesamtkonzept des Films passt und vor allem nach einer Szene kommt, die man für den eigentlichen Schluss hält. Fincher hatte sicher nicht das Recht des "final cut". Vielleicht wird in zehn Jahren, nach einigen weiteren "Fight Clubs", eine andere Fassung dieses Films erscheinen. Bis dahin ist "Panic Room" sehr ordentliches Genrekino.
(Konrad Lischka)

(Panic Room) USA 2001, Regie: David Fincher, Buch: David Koepp, mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto ab 16, Kinostart: 18. April 2002 bei Columbia TriStar

Foto: Verleih


www.spe.sony.com/movies/panicroom/
Website zum Film (englisch)
www.panic-room.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Mehr über den Film in der Internet Movie Database
www.movieline.de
Mehr über den Film bei MovieLine




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