Power and Terror

Noam Chomsky – Gespräche nach 9/11

Kinostart: 3.6.2004 | Stefanie Zobl | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Der US-Amerikaner Noam Chomsky, Jahrgang 1928, ist eine Koryphäe unter den Linguisten. Genauso lang, wie der schlaue Kopf mit seinen Schriften den Fortschritt der Sprachwissenschaft vorantreibt, nämlich seit den 1950er-Jahren, setzt er sich kritisch mit der Außenpolitik der Weltmacht USA auseinander. Trotz seiner jahrzehntelangen und fundierten Beschäftigung mit dem Thema schenkte die Öffentlichkeit seinen zahlreichen Büchern und Vorträgen darüber bislang nicht die Beachtung, wie sie andere bekannte US-amerikanische Dissidenten wie Michael Moore oder Gore Vidal genießen. Im Frühjahr 2002 begleiteten der in Tokio lebende US-Amerikaner John Junkerman und ein japanisches Filmteam Chomsky bei einer Reihe von Vorträgen in New York und Kalifornien. Anlass waren die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf New York und Washington und der darauf folgende "War on Terrorism" der US-Regierung und ihrer Verbündeten, darunter auch Japan.
Sehr weit holt Chomsky aus, um die Zusammenhänge zwischen der US-amerikanischen Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte, die, einem "Terror-Regime" gleich, rücksichtslos und meist gewalttätig nur die eigenen Interessen verfolgt, den Anschlägen vom 11. September im Speziellen und die von Macht und Terror im Allgemeinen zu erläutern: Vom Zweiten Weltkrieg über den Vietnamkrieg und die verschiedenen Krisenherde in Lateinamerika wie Nicaragua und Chile geht der historische Diskurs bis zur aktuellen "Achse des Bösen". Selbstverständlich ist es hochinteressant, dem unter anderem auch sehr sympathischen Chomsky bei seinen Ausführungen zu lauschen, der Film setzt aber eine gewisse Kenntnis der englischen Sprache und der jüngeren internationalen Geschichte voraus. Außerdem haben sich die Filmer keinerlei Mühe gemacht, den Film visuell ansprechend zu gestalten - man sieht ausschließlich, wie Chomsky vor wechselndem Publikum in verschiedenen Räumen spricht, was zwischenzeitlich etwas trocken und ermüdend ist. Ein Insider-Film - leider, denn eigentlich sollten Chomskys brillante Gedanken endlich mal einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.
Stefanie Zobl

(Power an Terror: Noam Chomsky in Our Times) Japan 2002, Buch und Regie: John Junkerman, mit Noam Chomsky, OmU, Kinostart: Kinostart: 22. Mai 2003 bei eyz und wieder am 3. Juni 2004 bei Neue Visionen

Foto: Verleih


www.powerandterror.com
Website zum Film (englisch und japanisch)
www.neuevisionen.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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