BB King: The Life of Riley

Der König der Bluesgitarre

Kinostart: 9.5.2013 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

B.B. King ist eine lebende Legende. Er hat den Blues elektrifiziert und popularisiert, er hat vor so ziemlich jedem US-Präsidenten der letzten dreißig Jahre gespielt (auf YouTube steht ein Duett mit Obama) und er ist wohl der einzige Musiker, dem ein Bundesstaat (Mississippi) einen eigenen Ehrentag gewidmet hat. Auf der Liste der besten Gitarristen aller Zeiten nennt die Musikzeitschrift Rolling Stone ihn an dritter Stelle. Niemand, der in Jon Brewers Dokumentation "BB King: Life of Riley" zu Wort kommt, spricht mit weniger als ehrfürchtiger Hochachtung von King. Zwei Jahre hat Brewer ihn begleitet, über 250 Stunden Filmmaterial sind dabei entstanden. Das Ergebnis würdigt nicht nur eine großartige Musiker-Karriere, sondern auch ein eindrucksvolles Leben. Geboren 1925 in einer kleinen Holzhütte nahe einer Baumwollplantage in Itta Bena, Mississippi, musste der junge Riley schon früh die Härte des Lebens erfahren. Seine Eltern trennten sich, als er vier war, fünf Jahre später starb seine Mutter. Als 20-Jähriger ging er nach Memphis und änderte seinen Namen in B.B. King – Blues Boy King. Andere Blues-Legenden wie Robert Johnson oder Charley Patton hatten das Pech, ihren Ruhm nicht mehr erleben zu dürfen. King betrat genau zum richtigen Zeitpunkt die Bildfläche: als der Rock'n'Roll, ein Derivat aus Blues, Gospel und Rhythm'n'Blues, die Hitparaden stürmte und in seinem Windschatten auch schwarze Musiker wie ihn, Son House und T-Bone Walker mit nach oben beförderte.

Brewer nimmt sich viel Zeit für die Lebensgeschichte B.B. Kings. Er holt weit aus: von den Anfängen des Blues über die Bürgerrechtsbewegung bis zur Entdeckung schwarzer Musik durch britische Bands wie Cream, die Beatles oder die Rolling Stones, die King 1969 bei einem weißen Publikum bekannt machten. In den USA war B.B. King jahrelang nur im "Chitlin' Circuit", einem Verbund von Clubs und Veranstaltungsorten, die für schwarze Musiker als sicher galten, unterwegs gewesen. Solche Geschichten erzählen King und seine Mitstreiter, und dennoch macht der "King of Blues Guitar" auch mit knapp neunzig Jahren noch einen bescheidenen Eindruck. Er hat nicht vergessen, dass viele Schwarze in den USA ein weniger privilegiertes Leben führen mussten. Die Liste der Gratulanten in der Doku ist endlos, sie umfasst unter anderem Eric Clapton, Bono, Ringo Starr, Bill Wyman, Robert Cray, Carlos Santana, Buddy Guy und Bruce Willis. Manchmal wünscht man sich allerdings, Brewer hätte seinen Film etwas gestrafft. Die Aneinanderreihung von Talking Heads ist ermüdend und mitunter auch redundant. Interessant wird es, wenn King selbst zu Wort kommt. Noch schöner wäre es allerdings gewesen, hätte man mehr von seiner Wunder-Gitarre Lucille gehört. "BB King: Life of Riley" folgt weitgehend dem formelhaften Schema der Musikdokumentation. Als Würdigung eines großen Musikers ist er dennoch gelungen.
Andreas Busche

BB King: The Life of Riley (Dokumentarfilm), Großbritannien 2012, Buch & Regie: Jon Brewer, mit Demarcus Gillespie, James "Boogaloo" Bolden, Charlie Dennis, Ernest Vantrease u.a., OmU, 123 min, Kinostart: 9. Mai 2013 bei Arsenal Filmverleih

Foto: © Kevin Nixon/Guitarist Magazine. Copyright Future Publishing Limited, 2011. All Rights reserved./Arsenal Filmverleih



Mehr Infos zu "BB King: The Life of Riley"

"BB King: The Life of Riley" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
"BB King: The Life of Riley" – Infos vom deutschen Verleih
Filminfos in der Internet Movie Database




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)