Out in the Dark

Grenzenlose Liebe

Kinostart: 9.5.2013 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Als sich Nimr (Nicholas Jacob) und Roy (Michael Aloni) in einer Diskothek kennenlernen, scheint alles normal. Sie verstehen sich auf Anhieb, es ist die große Liebe, was man schon daran erkennt, dass es zum Abschied keinen Kuss gibt, sondern eine Visitenkarte. Doch man weiß auch noch, wie Nimr hierher gekommen ist: durch die Nacht hetzend, über Mauern und Zäune, durchs Grenzgebiet zweier verfeindeter Staaten. Nimr ist Palästinenser, Roy Israeli. Normalität kann zwischen ihnen nicht mehr sein als eine schöne Illusion, der Augenblick in einer Schwulendisko in Tel Aviv, der die nationalen und religiösen Konflikte der Außenwelt für einen Moment vergessen lässt.

Die Realität wird Nimr schnell einholen. Vor seiner strenggläubigen Familie muss er seine Homosexualität verbergen; eine Entdeckung durch seinen älteren Bruder Nabil (Jamil Khoury), der den Feind Israel mit einem eigenen Waffenarsenal bekämpft, wäre eine Gefahr für Leib und Leben. Immerhin kann ihm Roy, von Beruf Anwalt, in anderen Dingen helfen: Nimr verliert sein Studentenvisum und braucht dringend eine Arbeitserlaubnis. Doch an dieser Stelle kommt der israelische Geheimdienst ins Spiel, der Grenzgänger wie Nimr zur Mitarbeit erpresst. Lässt er sich nicht als Spitzel anwerben, genügt es, ihn den eigenen Leuten auszuliefern. Als schwuler Kollaborateur hätte sein Leben zwischen den Fronten ein schnelles Ende.

Mit dieser bitteren Anklage beider Seiten macht es sich Regisseur Michael Mayer keineswegs einfach. Im Gegenteil hat man stets das Gefühl, dass er die zwei Seiten des israelisch-palästinensichen Konflikts ebenso ausgewogen betrachtet wie die Liebe seiner Helden, die ihre Höhen und Tiefen erlebt. Gänzlich neu ist diese Perspektive allerdings nicht: Eytan Fox' "The Bubble" erzählte die annähernd gleiche Geschichte bereits 2006 und entwarf dabei ein noch größeres, fieberndes Panorama der israelischen Gesellschaft zwischen Friedensaktivisten, vergnügungssüchtigen Ravern und Liebenden jeglicher sexueller Orientierung. "Out in the Dark" bleibt näher an seinen scheuen Protagonisten und erlaubt sich auch stilistisch, anders als dieser ästhetische Meilenstein, keine großen Extravaganzen. Weniger packend ist der Film, der das diesjährige Jüdische Filmfestival in Berlin eröffnet, dadurch nicht.
Philipp Bühler

(Out in the Dark/Alata) Israel, USA, Palästina 2012, Regie: Michael Mayer, Buch: Yael Shafrir, Michael Mayer, mit Nicholas Jacob, Michael Aloni, Jamil Khoury, Loai Nofi, Khawlah Hag-Debsy u.a., OmU, ab 12, 94 min, Kinostart: 9. Mai 2013 bei Pro-Fun

Foto: © Pro-Fun Media



Mehr Infos zu "Out in the Dark"

"Out in the Dark" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Filminfos in der Internet Movie Database




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