Star Trek into Darkness

Zu viel "Energie"

Kinostart: 9.5.2013 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

J.J. Abrams liefert, was bestellt war: Eine Space-Opera, laut dröhnend, bombastisch, überlebensgroß, so berauscht an der eigenen Riesenhaftigkeit und der Ekstase der Zerstörung, dass der Film manchmal erscheint wie eine Parodie seiner selbst. Beinahe parodistisch gerät auch der ausgestellte Stoizismus, mit dem Benedict Cumberbatch durch dieses ästhetische Inferno stolziert, ein Stil der Darstellung, den er bereits in der BBC-Serie "Sherlock" ausgiebig pflegte. Dennoch: Hinter dem "stoneface" von Cumberbatch verbirgt sich immerhin noch so etwas wie ein Rätsel, ein Faszinosum, das nicht dem Primat der größtmöglichen Ausschlachtbarkeit gehorcht.

Er spielt John Harrison, einen ehemaligen Offizier der Sternenflotte, der sich zum Top-Terroristen gewandelt hat. Nach den Angriffen auf ein geheimes Forschungslabor und eine daraufhin hastig einberufene Konferenz hoher Entscheidungsträger flüchtet Harrison nach Kronos, wo die Klingonen hausen. Captain Kirk (Chris Pine) und sein Erster Offizier Spock (Zachary Quinto), eigentlich gerade durch einen wüsten Einsatz in Ungnade gefallen, sollen den Attentäter stellen – und das möglichst, ohne einen Krieg mit den Klingonen anzuzetteln.

Eine seltsame Kluft tut sich auf in diesem Film, der die Schaulust befriedigen und gleichzeitig Neugier wecken will auf eine an sich hochkomplexe Hintergrundgeschichte. Natürlich ist nichts so, wie es scheint – außer der im Blockbuster-Geschäft weit verbreiteten Unsitte, alle Verwicklungen und Verschwörungen in wenigen Minuten Dialog abzuhandeln. Die wahre Herkunft dieses John Harrison, seine Motive, sein Zorn – das hätte alles viel mehr Sorgfalt verdient, als Abrams ihm gönnt. Speziell im Finale wird der Plot denn auch arg sprunghaft und unlogisch. Es scheint beinahe, als hätte man so viel Zeit in Effekte, Gestaltung und Dreh gesteckt, dass im Schneideraum schließlich die Energie fehlte, das alles noch anständig zu Ende zu bringen.

Um fair zu bleiben: "Star Trek Into Darkness" sieht fantastisch aus. Ob eine apokalyptische Bruchlandung mit einem Riesenschiff im futuristisch-glaspalastigen San Francisco, ein infernalischer Vulkanausbruch, Weltraumschlachten oder Verfolgungsjagden im Warp-Tunnel – was Abrams auf den Zuschauer so alles abfeuert, lässt nicht nur die alten Filme und Serien des Star-Trek-Universums, sondern auch vieles aus der aktuellen Blockbuster-Produktion eher klein und drollig ausschauen. Aber die Geschichte will eben noch auf anderes, geradezu Tiefgängiges hinaus, und gerade darin liegt ihr Scheitern jenseits der akustischen und visuellen Überwältigung.
Tim Slagman

Star Trek into Darkness, USA 2013, Regie: J.J. Abrams, Buch: Damon Lindelof, Roberto Orci, Alex Kurtzman, mit Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoe Saldana, Anton Yelchin, Simon Pegg, John Cho u.a., ab 12, 129 min, Kinostart: 9. Mai 2013 bei Paramount Pictures

Foto: © 2012 Paramount Pictures. All Rights Reserved/Zade Rosenthal



Mehr Infos zu "Star Trek into Darkness"

"Star Trek into Darkness" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "Star Trek into Darkness"
Filminfos in der Internet Movie Database




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