Tilt

Nichts geht mehr

Kinostart: 2.5.2013 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In den Ländern des ehemaligen Ostblocks laufen Filme einheimischer Produktion schon lange Hollywood-Blockbustern den Rang ab, denn sie erzählen originäre Geschichten und geben mitunter Anstoß für längst fällige Vergangenheitsdiskurse. So verdrängte auch Viktor Chouchkovs Debütfilm "Tilt" in Bulgarien "Avatar" von den Leinwänden, und das mit einem scheinbar unspektakulären Plot.

Im Herbst 1989 träumen der Draufgänger Stash (Yavor Baharoff) und seine Kumpel Gogo (Ovanes Torosyan) und Angel (Ivaylo Dragiev) in Sofia von der großen Freiheit und ihrer eigenen Bar, wo gute Musik läuft und man flippern kann. "TILT" soll sie heißen, wie die Anzeige beim Flipperautomaten, wenn nichts mehr geht. Das Geld verdienen sie mit krummen Geschäften, immer auf der Hut vor der allgegenwärtigen Staatsmacht. Stash begegnet eines Tages der aufsässigen Becky (Radina Kardzhilova) und verliebt sich in sie. Deren Vater, einem hochrangigen Funktionär (George Staykov), gefällt die Liaison überhaupt nicht. Die Jungs werden verhaftet und nur unter der Bedingung freigelassen, dass Stash Becky nie wiedersieht. Aber das Paar setzt sich über das Verbot hinweg und plant die Flucht nach Westdeutschland, die für Becky an der Grenze endet. Stash muss alleine weiterfahren und versucht, im Westen angekommen, vergeblich Kontakt zu ihr aufzunehmen. Schließlich kehrt er nach Sofia zurück und muss feststellen, dass hier alles anders geworden ist.

"Tilt" erzählt wunderbar leicht eine große Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einschneidender historischer Ereignisse. Man merkt dem Film an, dass Viktor Chouchkov, der mit seinem Bruder Borislav auch das Drehbuch schrieb, wohl aus eigenem Erleben schöpft. Die Romanze zwischen Stash und Becky steht zwar im Vordergrund, jedoch erzählt der Film atmosphärisch dicht und bis ins Detail genau auch über die rasanten gesellschaftlichen Umbrüche der frühen 1990er – und das ohne zu romantisieren oder die Figuren lächerlich zu machen. Ein weiteres Pfund sind die durchweg hervorragenden Darsteller, allen vorweg Yavor Baharoff als verliebter Hansdampf Stash und George Staykov als väterlicher Fiesling. Ein mitreißender Film, der auf weitere gute Geschichten hoffen lässt.
Ingrid Beerbaum

Tilt, Bulgarien, Deutschland 2011, Regie: Viktor Chouchkov, Buch: Borislav Chouchkov, Viktor Chouchkov, mit Yavor Baharov, Radina Kardjilova, Ovanes Torosian, Alexander Sano, Ivaylo Dragiev u.a., OmU, ab 16, 97 min, Kinostart: 9. Mai 2013 bei Port-au-Prince Pictures

Foto: © Port-au-Prince Pictures GmbH



Mehr Infos zu "Tilt"

"Tilt" – die offizielle Filmwebseite (bulgarisch, englisch)
Die deutsche Webseite: "Tilt"
Filminfos in der Internet Movie Database




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