Der Tag wird kommen

Absage an alles

Kinostart: 2.5.2013 | Christian Horn | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die französischen Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern machten das Publikum mit eigenwilligen und tragikomischen Filmen wie "Louise Hires a Contract Killer" (Frankreich 2008) oder "Mammuth" (Frankreich 2010) auf sich aufmerksam. Ihr neuster Streich, die Anarcho-Komödie "Der Tag wird kommen", feierte im vergangenen Jahr seine Weltpremiere in Cannes und erhielt dort den Spezialpreis der Jury. Auf eine Weise ist diese Entscheidung verständlich, denn als lautstarke Satire auf den Kapitalismus unterhält die Absage an alles durchaus und regt sogar zum eigenständigen Denken an – andererseits verpuffen recht viele der zahlreichen Gags und hinterlassen bisweilen den Eindruck einer beliebigen Abfolge von Klamaukeinlagen.

Die Brüder Jean-Pierre (Albert Dupontel) und Ben (Benoît Poelvoorde) treffen nur gelegentlich im Restaurant ihrer Eltern oder in der Gegend um ein tristes Einkaufszentrum aufeinander. Das verwundert kaum, denn während Jean-Pierre als erfolgloser Matratzenverkäufer mit Frau und Kind im Eigenheim lebt, flaniert Ben als Punk mit seinem Hund durch die Straßen und torpediert das Spießbürgertum mit einer chaotischen Privat-Revolution. Als Jean-Pierre seine Arbeitsstelle und die Ehefrau verliert, übernimmt er den Lebensstil seines Bruders. Als waschechte Chaosbrüder machen die beiden fortan bereits durch ihre Tätowierungen mobil: Auf Bens Stirn steht "Not", während Jean-Pierre an gleicher Stelle mit "Dead" nachzieht.

Der wesentliche Handlungsort des sprunghaft erzählten Gag-Feuerwerks ist nicht umsonst ein gesichtsloses Einkaufscenter am Stadtrand. Waren es in "Dawn Of the Dead" (1978) von George A. Romero noch Zombies, die durchs Kaufhaus wandelten, sind es in "Der Tag wird kommen" ganz normale Menschen, die wie die Duracel-Häschen aus der Werbung im Gleichschritt marschieren – am Ende laufen beide Bilder auf eine überspitzte Kritik an Konsum- und Geldgeilheit hinaus. In seiner Erzählweise übernimmt der Film die ebenfalls parodierte Scheißegal-Mentalität der Punk-Brüder. Ob eine Massenschlägerei, eine Gabelstapler-Spazierfahrt oder Gérard Depardieu als wahnwitziges "Orakel" – "Der Tag wird kommen" übertreibt gerne und verpasst keine Gelegenheit für eine Pointe. Am Ende bleibt dann neben dem gelegentlichen Nervfaktor folgende Kampfansage hängen: "Später will ich auch mal Spießer werden" – Pustekuchen!
Christian Horn

(Le grand soir) Frankreich, Belgien 2012, Buch & Regie: Gustave Kervern, Benoît Delépine, mit Benoît Poelvoorde, Albert Dupontel, Brigitte Fontaine, Regie: Gustave Kervern, Benoît Delépine u.a., ab12, 96 min, Kinostart: 2. Mai 2013 bei Alamode

Foto: © Alamode



Mehr Infos zu "Der Tag wird kommen"

Die deutsche Webseite: "Der Tag wird kommen"
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Kommentare

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Was bisher geschah...

Le grand soir

so eine kritik kann nur ein spießer schreiben. :) q.e.d.

Herbertin | 2. Mai 2013   15:10

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