Charlies Welt

Traum oder Wahn?

Kinostart: 2.5.2013 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der erfolgverwöhnte Grafikdesigner Charles Swan III, ein Taugenichts, Schlitzohr und Hallodri, wird von seiner großen Liebe Ivana sitzen gelassen. Sie hat die Nacktfotos seiner Ex-Freundinnen in der Kommodenschublade entdeckt und findet das nicht tragbar. Nach Ivanas wutschnaubendem Abgang will Charles deren Schuhsammlung stilecht entsorgen, indem er sie einen Abhang hinunterwirft. Dabei kommt es zu einem Unfall und Charles landet im Krankenhaus. Fortan gibt es kein Halten mehr.

Der Protagonist im Krankenbett – liebesbekümmert, trennungstraumatisiert, gehirnerschüttert und bald auch noch depressiv – ermöglicht Roman Coppola in seinem über die Maßen seltsamen Film "Charlies Welt" den schwungvollen und häufigen Wechsel zwischen den Ebenen. Ist das, was wir da in der Folge sehen, nun die Wirklichkeit? Oder ein Tagtraum? Ein Albtraum? Eine Fantasie? Verklärende Erinnerung? Fieberwahn? Oder einfach nur ein Einfall Charlie Sheens, der diesen Charles Swan spielt? Eine Grille, der Sheens Mitspieler sich unterwerfen – ganz so, als gälte es, den närrisch gewordenen König, der die Sonnenbrille nicht ab- und die Zigarette nicht aus dem Mund nimmt, nicht aus seinem Wahn zu stören – und die Coppola dann eben filmt?

Es verhält sich mit "Charlies Welt" nämlich so, dass er zu einer Zeit entstand, in der Charlie Sheen für jedermann sichtbar nicht Herr seiner Sinne war. Man will gar nicht wissen, welche Arten von Drogen und sonstigen Obsessionen ihn im vergangenen Jahr dazu trieben, in aller Öffentlichkeit zu implodieren, sich monatelang exhibitionistisch den Celebrity-Medien zum Fraß vorzuwerfen und zum Deppen zu machen. Es war schlimm, nicht zum Anschauen. Das werden sich wohl auch Sheens Freunde und Bekannte – darunter Coppola und Jason Schwartzman, die wiederum Bill Murray mit ins sinkende Boot holten – gedacht haben. Dann hatten die wohl den glorreichen Einfall einer filmischen Intervention, eines therapeutischen Projektes, einer ablenkenden Beschäftigung für den armen, heißlaufenden Tropf. Jedenfalls ist das noch die plausibelste Erklärung für den haarsträubenden Unsinn, der dieser Film ist.

Worum's geht? Charles Swan will seine Ivana zurück und versucht allerhand, freilich vergeblich. Wobei eben nicht zu entscheiden ist, was davon wahr ist und was erfunden, siehe oben. In jedem Fall wahr jedoch ist Folgendes: Es ist zwar echt sehr lieb und nett, dass Sheens Freunde sich so rührend kümmern und mit dem der Hilfe bedürftigen Mann ein Filmchen drehen. Dass sie sich die infantile Spielerei im Nachhinein aber vom schwer verdienten Geld anderer Leute finanzieren lassen wollen, das ist dreist. Ehrlich.
Alexandra Seitz

(A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III) USA 2012, Buch & Regie: Roman Coppola, mit Charlie Sheen, Jason Schwartzman, Bill Murray, Katheryn Winnick, Patricia Arquette u.a., o.A., 85 min, Kinostart: 2. Mai 2013 bei Koch Media

Foto: © Koch Media



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