Iron Man 3

Kleider machen Superhelden

Kinostart: 1.5.2013 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Kleider machen nicht nur Menschen, sondern auch Superhelden. Wer könnte das besser wissen als Tony Stark, der ebenso schnoddrige wie intelligente milliardenschwere Erfinder und Konzernbesitzer, der sich erst durch seine stählerne Rüstung unter dem Namen "Iron Man" zum Retter aufschwingen konnte? Denn im Grunde ist der Mann unter der Eisenmaske nur ein normaler Mensch – ganz ohne Superkräfte. Im Gegenteil: Ohne die Hilfe seines High-Tech-Anzugs hätte schon längst ein tödliches Schrapnell den Weg zu seinem Herzen gefunden. Doch wie anfällig diese Symbiose aus Mensch und Maschine ist, muss Stark in "Iron Man 3" in einer bitteren Lektion lernen. Und schließlich hätte ihn auch sein Einsatz als Mitglied des Avengers-Teams an der Seite von Captain America, Thor und Hulk, um New York gegen eine Alien-Invasion zu verteidigen, beinahe das Leben gekostet. Grund genug für eine handfeste Krise. Seither plagen Albträume den einstigen Strahlemann, der seine gesamte Energie lieber in die Weiterentwicklung seines Anzugs steckt und sich in seine Villa zurückgezogen hat.

Auch Eisenmänner sind verletzlich

Jetzt ist die Vermenschlichung der Figuren aus den Superheldencomics, die in ihren Ursprungsformen oft Hüllen für jugendliche männliche Allmachtsfantasien waren, also endgültig in der "Iron Man"-Serie angekommen. Ganz im Sinne zeitgemäßer Superhelden-Interpretationen, die nicht zuletzt durch die Batman-Trilogie von Christopher Nolan oder auch "Spider-Man 3" von Sam Raimi geprägt wurden, ist auch Tony Stark nun der geschundene, innerlich ein wenig angeknackste Held, den Selbstzweifel um die eigene Identität plagen – seit jeher das zentrale Thema vieler US-amerikanischer Superheldengeschichten, dessen Abgründigkeit jedoch vor allem durch die Comic-Arbeiten von Frank Miller in den 1980er-Jahren herausgearbeitet wurde. Dass es Tony Stark in diesem Fall nicht noch schlimmer erwischt hat, ist der Produktionsfirma zu verdanken. Angeblich war der Disney-Konzern dagegen, die in der Comic-Reihe thematisierte Alkoholsucht von Tony Stark aufzugreifen. Aber auch so ist deutlich spürbar, dass das klassische Heldenbild ausgedient hat. Tony Stark ist erst einmal am Boden – vor allem als der Terrorist Mandarin sein Haus in Schutt und Asche legt und Tony auf der Flucht mit einer defekten Iron-Man-Rüstung in einem Kaff in der amerikanischen Provinz strandet.

Ein überraschender Hauch von Wirklichkeit weht durch diesen Comic-Kosmos, wenn es um die Bedrohungen durch Terrorismus geht. So weckt der Superschurke Mandarin mit dem langen Bart und dem finsteren Blick Erinnerungen an die Videobotschaften von Osama Bin Laden und die Berichterstattung über den US-amerikanischen "war on terror", den die Bush-Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen hat. Vor allem aber spiegelt sich das Gefühl der Unsicherheit und Angst, das dieser durch seine Anschläge hinterlässt, deutlich in dem Film. Trotz aller fantastischen Überhöhung, die Terrorismus nur als Anlass für fröhliche Zerstörungsorgien nutzt, wirkt die Comicverfilmung in dieser Hinsicht ziemlich aktuell. Allzu ernst genommen werden sollte dieser Plot jedoch nicht. Denn schließlich ist "Iron Man 3" weder psychologische Charakterstudie noch Politthriller, sondern pures Effekte- und Unterhaltungskino.

Das Gleiche, aber nicht dasselbe

Shane Black, der Jon Favreau auf dem Regiestuhl abgelöst hat, gelingt mit Teil 3 ein überaus unterhaltsames Sequel, das geschickt mit den bekannten Elementen der Serie spielt und mehr von dem Gleichen liefert, aber eben nicht nur dasselbe. Fehlte "Iron Man 2" schon der Mut zur Weiterentwicklung, so war der Superhelden-Film "Marvel's The Avengers", der die Hauptfiguren aus mehreren Marvel-Comics und -Filmen gemeinsam auftreten ließ, vor allem ein großer Spaß für Fans. Nun kehrt Black zunächst zum Kern der Figur zurück und stellt die grundlegende Frage, was diese eigentlich ausmacht. Dabei orientiert er sich inhaltlich an der Handlung der Comics aus der düster gehaltenen "Extremis"-Reihe aus dem Jahr 2005 von Warren Ellis und Avi Granov, die als eine der wichtigsten "Iron Man"-Geschichten gilt.

Der eigentlich Clou jedoch ist, wie Black, der sich in den 1980er-Jahren als Autor der Buddy-Action-Komödie "Lethal Weapon" einen Namen gemacht hat, zugleich die Selbstironie auf eine neue Spitze treibt und manche Figuren mit einer Lust demontiert, dass es eine Freude ist. Und diese Respektlosigkeit ist nur allzu konsequent, denn ohnehin war das Erfolgsrezept der "Iron Man"-Filme noch nie der Beliebtheit der Comicvorlage oder dem Aussehen der Figur geschuldet, sondern dem Spiel von Robert Downey Jr., dessen schelmischem, jungenhaftem Grinsen oder dessen geradezu stoischer Ausdruckslosigkeit.

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Mit seiner Mischung aus Action, Ernst und Humor könnte "Iron Man 3" ein perfekter Abschluss für die Reihe sein. Wäre da nicht das Gesetz der Serie, das Verlangen des Publikums und das marketingtechnisch perfekt erschlossene filmische Comic-Universum der Marvel-Superhelden, in dem häppchenweise zwischen "Der unglaubliche Hulk", "Captain America", "Thor", "Iron Man" und in Zukunft auch den "Guardians of the Galaxy" und dem "Ant-Man" eine epische Handlung entwickelt wird. Deswegen wird es ganz sicher nicht unsere letzte Begegnung mit Tony Stark gewesen sein. Die Avengers rüsten schließlich schon wieder zum Kampf.

Iron Man 3, USA, China 2013, Regie: Shane Black, Buch: Shane Black, Drew Pearce nach der Marvel-Comicserie, mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley, Guy Pearce, Rebecca Hall u.a., ab 12, 131 min, Kinostart: 1. Mai 2013 bei Concorde Filmverleih

Fotos: Iron Man 3 (3D) | © TM & © 2013 Marvel & Subs. All Rights Reserved. www.marvel.com

Stefan Stiletto ist Filmpädagoge und -journalist.



Mehr Infos zu "Iron Man 3"

"Iron Man 3" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "Iron Man 3"
Filminfos in der Internet Movie Database




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