Passion

Fressen und gefressen werden

Kinostart: 2.5.2013 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Brian de Palma müsste man eigentlich unter Artenschutz stellen. Dass er immer noch in Hollywood arbeitet, grenzt an ein Wunder. Seine wütende Anti-Irak-Kritik "Redacted" hätte 2007 fast seine Karriere beendet, nachdem er sich mit dem Film Noir "The Black Dahlia" gerade wieder in Hollywoods oberer Liga zurückgemeldet hatte. Kein Regisseur leidet unter so extremen Leistungsschwankungen: Nach "Scarface" (1983) drehte De Palma 1984 "Body Double" (1984), auf "Die Unbestechlichen" (1987) folgten innerhalb kürzester Zeit "Die Verdammten des Krieges" (1989) und "Fegefeuer der Eitelkeiten" (1990), den Eindruck des großartigen "Snake Eyes" (1998) ruinierte er mit dem unterirdischen Nachfolger "Mission to Mars" (2000). Und nun also "Passion", fünf Jahre nach "Redacted": ein Film, den man gesehen haben muss, um es zu glauben.

Einige Vorkenntnisse helfen, diesen Film in De Palmas Werk einzuordnen, aber die Trash-Qualitäten erschließen sich eigentlich jedem. Rachel McAdams und Noomi Rapace spielen eine eiskalte PR-Chefin und ihren weiblichen Schützling, dem sie prompt die Idee für eine Smartphone-Kampagne klaut. So funktioniert der Markt halt: fressen und gefressen werden. Rapace bekommt von McAdams noch ein paar Lektionen mit auf den Weg (unter anderem ein Paar rote Killer-Heels) und schnappt ihrer Mentorin zum Dank den lukrativen Mobilfunk-Auftrag (und den Lover) wieder vor der Nase weg. Damit haben die Hinterhältigkeiten ein Ende, denn nun wird offen intrigiert.

De Palma ist natürlich immer noch das lüsterne alte Schweinigel aus "Dressed to Kill" (1980) und "The Black Dahlia" (2006). Er stellt die subtilen Perversitäten seines großen Vorbilds Hitchcock genüsslich aus. Der Subtext von "Passion" ist hoffnungslos libidinös. Der Machtkampf zwischen den Frauen verlagert sich bald ins Sexuelle und irgendwann passiert, wie immer bei De Palma, auch noch ein Mord. Der allerdings ist derart durchgeknallt inszeniert, dass man dem Regisseur fast schon ein Konzept unterstellen muss. Dann würden auch die grottenschlechten Dialoge auf RTL-Soap-Format wieder einen Sinn ergeben. De Palma schneidet den Mord im Split-Screen-Verfahren parallel zu einem modernistischen Tanzstück – und das ohne einen Anflug von Ironie. Es ist der Wahnsinn.

Im Hintergrund taucht immer wieder der Reichstag auf, der deutschen Filmförderung sei Dank. Aber an Realismus ist De Palma nicht gelegen. "Passion" ist ein ort- und geschichtsloser Film, der in einer vollkommen künstlichen Welt spielt. Wäre man boshaft, könnte man auch behaupten, dass De Palma sein Gespür dafür verloren hat, Räume zu inszenieren. Von seinen Qualitäten als Filmemacher ist in "Passion" jedenfalls nichts zu sehen. Und das ist nicht das einzige Rätsel. Spannend dürfte auch die Frage sein, wie lange De Palma noch solche Filme machen darf.
Andreas Busche

Passion, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien 2012, Buch & Regie: Brian de Palma, mit Noomi Rapace, Rachel McAdams, Paul Anderson, Karoline Herfurth, Rainer Bock u.a., ab 16, 98 min, Kinostart: 2. Mai 2013 bei Ascot Elite

Foto: © 2012 Ascot Elite Filmverleih GmbH



Mehr Infos zu "Passion"

"Passion" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)