The International Crime Court

Der Chefankläger

Kinostart: 2.5.2013 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Internationale Strafgerichtshof (kurz: ICC) wurde 2002 in Den Haag ins Leben gerufen, um Verstöße gegen das Völkerstrafrecht zu ahnden, insbesondere Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Dokumentarfilm "The International Criminal Court" begleitet den aus Argentinien stammenden ersten Chefankläger des ICC Luis Moreno Ocampo, der das Amt von 2003 bis 2012 innehatte, bei der Arbeit. Man sieht ihn, wie er flammende Plädoyers gegen die menschenverachtenden Praktiken des kongolesischen Warlords Thomas Lubanga Dyilo hält, der angeklagt ist wegen Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten. Oder wie er nach Libyen reist, um mit Rebellenführern im Gaddafi-Regime zu verhandeln.

Es gibt Dokumentarfilme, die sind einen Tick zu gut gemeint. Ein solcher Film ist "The International Criminal Court". Das alles ist höchst spannend, keine Frage, ebenso wie Moreno Ocampo zweifelsfrei eine beeindruckende Persönlichkeit ist. Doch dadurch, dass die Rollen von vornherein klar verteilt sind – hier der Strafgerichtshof, dort die Mörder, Diktatoren und Kriegsverbrecher –, stellt man sich irgendwann die Frage, welcher Erkenntnisgewinn sich durch das Anschauen dieses Films, der sich leider nicht immer die Zeit zum Hinschauen nimmt, eigentlich einstellen soll.

Zudem irritieren bisweilen die eingestreuten Original-Footage-Aufnahmen aus den Heimatländern der Angeklagten, die deren Verbrechen bebildern und somit als Pars-pro-toto-Belege für die von ihnen begangenen Gräueltaten herhalten. Diese teils wirklich schwer zu ertragenden Bilder werden als emotionalisierende Versatzstücke verwendet, die sich ins Gehirn der Betrachtenden einbrennen – eine fragwürdige Methode. Natürlich, ein Film braucht sein Publikum nicht über Gebühr zu schonen. Doch sollte er es seinen Bildern auch nicht hilflos ausliefern. Auch nicht für einen guten Zweck. Insofern gilt: So hehr das Anliegen von "The International Criminal Court" auch sein mag, der Film ist in seiner Wahl der Mittel einfach zu unreflektiert, um wirklich zu überzeugen.
Andreas Resch

The International Crime Court (Dokumentarfilm), Deutschland 2013, Buch & Regie: Marcus Vetter, Michele Gentile, mit Benjamin Ferencz, Fatou Bensouda, Adrian Fulford, Luis Moreno Ocampo u.a. OmU, ab 16, 90 min, Kinostart: 2. Mai 2013 bei Bukera Pictures

Foto: © Bukera Pictures/ Frank Schinski/OSTKREUZ



Mehr Infos zu "The International Crime Court"

"The International Crime Court" - die offizielle Filmwebseite (englisch, deutsch)
"The International Crime Court" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database




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