Verliebte Feinde

Lieben und kämpfen

Kinostart: 2.5.2013 | Kristina Detemple | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Iris (Mona Petri) lackiert sich ihre Fingernägel rot, kleidet sich ziemlich schick, raucht, diskutiert gerne und studiert Jura. Ihr Kommilitone Peter (Fabian Krüger) findet das durchaus anziehend, zugleich passt es nicht zu seinem Frauenbild, denn er ist katholisch-konservativ erzogen. Iris und Peter lernen sich in den 1950er-Jahren an der Uni Bern kennen – und natürlich verlieben sie sich.

Was nach einem Liebesfilm klingt, ist die wahre Geschichte von Iris und Peter von Roten, die Werner Schweizer auf der Grundlage des Briefwechsels, den die Liebenden über Jahrzehnte führten, verfilmt hat. Der Klang dieser mehr als tausend Briefe gibt die Melodie von "Verliebte Feinde" vor, der man atemlos zuhört, gebannt von Schonungslosigkeit und Schönheit der Worte. Peter heiratet gegen den Willen seiner Familie diese in ihren Augen aufmüpfige Frau, die noch nicht einmal katholisch ist. Er trennt sich auch dann nicht von ihr, als sie alleine in die USA reist, um der gedanklichen und räumlichen Enge im Wallis zu entkommen und sich neu inspirieren zu lassen für das, was ihr wirklich wichtig ist: ihr feministisches Buch. Das Paar lebt eine Art Polyamory – und kämpft nach Iris' Rückkehr in die Schweiz gemeinsam für Frauenstimmrecht und Gleichberechtigung.

Ergänzt wird der Spielfilm durch alte Fotos und kurze Doku-Szenen, in denen Zeitzeugen zu Wort kommen. Anfangs gewöhnungsbedürftig, stellen sich besonders die Szenen mit Hortensia von Roten, der Tochter der Protagonisten, als spannend heraus. Es ist erstaunlich, dass wir in Deutschland Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre kennen, nicht aber Iris und Peter von Roten. Umso wichtiger ist dieser Film, der radikale Fragen stellt, die auch 2013 noch aktuell sind.
Kristina Detemple

Verliebte Feinde (Doku-Fiction) Schweiz 2013, Regie: Werner Schweizer, Buch: Wilfried Meichtry, Daniela Baumgärtl nach dem gleichnamigen Buch von Wilfried Meichtry, mit Mona Petri, Fabian Krüger, Thomas Mathys, Annelore Saarbach u.a., o.A., 108 min, Kinostart: 2. Mai 2013 bei Rendezvous Filmverleih

Foto: © Rendezvous Filmverleih



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