7 Psychos

Bescheuertheit ist Trumpf!

Kinostart: 6.12.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Berufsmäßiges Hundekidnapping und Drehbuchschreiben haben zwei Dinge gemeinsam: Nur an einem einzigen Ort der Welt, nämlich in Hollywood, lässt sich davon gut leben. Filme darüber nimmt jedoch niemand ernst. Im Falle von "7 Psychos" soll man das auch nicht. Bescheuertheit ist Trumpf! Oder wie soll man es sonst nennen, wenn die Entführung eines Shih Tzu durch den besten Freund einen Thrillerautor mit wirklichen Gangstern konfrontiert, die er sonst nur aus seinen Filmen kennt?

Eigentlich sollte sich Marty (Colin Farrell) bedanken. Seit Monaten hat er keine Idee für seinen Film über sieben Psychopathen, nun hämmern sie an seine Haustür. An sich schon wahnsinnig war die Kontaktanzeige, die Billy (Sam Rockwell) zu diesem Zweck aufgesetzt hat; doch erst mit der Entführung hat er seinem entsetzten Kumpel so richtig geholfen – Hundebesitzer Charlie (Woody Harrelson) möchte sie allesamt umbringen. Während die Kugeln nur so fliegen, erhält Marty allerlei Tipps für den weiteren Verlauf. Denn so ein Drehbuch hat seine Tücken: Wie schreibe ich realistische Frauenfiguren, die in ganzen Sätzen sprechen und nicht nur dazu da sind, erschossen zu werden? Was ist der beste Ort für einen Shoot-Out? Und wie wird so ein Film nicht bloß gewalttätig, sondern positiv und lebensbejahend, wie Marty es will? Wenn er die Sache überlebt, hat er jedenfalls genug Stoff.

Mit "7 Psychos" nimmt Martin McDonagh, nach seinem Überraschungserfolg "Brügge sehen … und sterben?", das eigene Metier aufs Korn. Und das gelingt überraschend intelligent. Zwar ist das parodistische Spiel mit Genreklischees nicht neu, auch an der natürlich hochkomplexen Verschränkung von Erzählebenen hat man sich eigentlich satt gesehen. Doch es kommt immer noch darauf an, wie man es macht. Fragen der Glaubwürdigkeit und selbst der Moral werden hier so ernsthaft ausdiskutiert und durchdacht, wie man sich das von weniger komischen Filmen ("Killing Them Softly") manchmal wünscht. Unter anderem muss Marty lernen, dass ein Autor für seine Figuren verantwortlich ist und sie nicht beliebig opfern darf, nicht mal für einen guten Witz. Martin McDonagh freilich hält sich an keine dieser Regeln und veranstaltet ein höchst unterhaltsames Schlachtfest mit einer großartigen Mischung aus komischen, bizarren, poetischen und manchmal gar ernsthaft rührenden Momenten. Die schwarze Komödie gelingt weniger aufgrund des guten Skripts, das nüchtern betrachtet kaum mehr ist als die Summe seiner Teile, als dank der starken Besetzung: Christopher Walken als mehr oder weniger altersweiser Hundefänger Hans, Woody Harrelson als reinrassiger Spinner und vor allem Colin Farrell als von Selbstzweifeln geplagter Scriptwriter liefern großes Kino. Die Frauenfiguren sind tatsächlich schwach, aber dank des Films weiß man zumindest warum.
Philipp Bühler

(Seven Psychopaths) USA, Großbritannien 2012, Buch & Regie: Martin McDonagh, mit Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson, Abbie Cornish, Tom Waits u.a., ab 16, 110 min, Kinostart: 6. Dezember 2012 bei DCM

Foto: © DCM



Mehr Infos zu "7 Psychos"

"Seven Psychopaths" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "7 Psychos"
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