Ralph reicht's

Pixelfigur mit Herz

Kinostart: 6.12.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Viele Video-Games genügen sich immer noch mit einer simplen wie überschaubaren Aufteilung: Entweder gehört eine Figur zu den Guten oder eben zu den Bösen. Nun ist es zwar aus der Schauspielerei bekannt, dass es eigentlich immer etwas reizvoller sein soll, den schillernden, spannenden Schurken zu spielen. Doch ewig den Bösen geben zu müssen, kann mit der Zeit auch zu extremem Frust führen. So geht es zumindest Randale-Ralph aus dem Animations-Abenteuer "Ralph reicht's".

So wie die Spielzeuge in der "Toy Story"-Trilogie hat auch der knuffige Kerl mit den kräftigen Pranken – ebenso wie die Charaktere aus all den Games in der Arcade-Spielhalle – ein Eigenleben. Die Menschen, die dort für ein bisschen Kleingeld spielen, wissen davon allerdings nichts. Die sehen nur auf dem Bildschirm, wie die Pixelprotagonisten ihren Job in den unterschiedlichsten Games erledigen. Und Ralphs Job ist es seit jeher, im Game "Fix-It Felix Jr." ein Wohnhaus zu zertrümmern – was wiederum der allseits beliebte, adrette Saubermann Felix mit seinem magischen Hammer wieder repariert und dafür im Erfolgsfall am Level-Ende eine Medaille bekommt. Doch nun fängt Ralph an, gegen die immer gleiche Rolle zu rebellieren. Denn eigentlich ist er ein netter Kerl, der auch mal ein Held sein und eine Auszeichnung bekommen möchte. Als er sich diesen sehnlichen Wunsch mit aller Kraft erfüllen will, stürzt er den 8-Bit-Spielhallen-Mikrokosmos kurzzeitig in ein mächtiges Chaos.

Bis Ralph dabei letztendlich eine wichtige Lektion über sich selbst gelernt hat und es schafft, der winzigen, forschen Rennfahrerin Vanellope aus einer fatalen Programmierfehler-Falle zu helfen, hangelt er sich zwar durch ein recht konventionelles Storygerüst. Er durchläuft aber auch verschiedene Videospiel-Welten, die mit liebevoll entworfenen Figuren bevölkert und einer sichtbaren Freude am Detail programmiert wurden. Dabei findet man einige Anspielungen auf unterschiedlichste Videospiele und Helden von "Street Fighter" bis "Pac Man". Allein der Anfang, wenn Ralph in der Selbsthilfegruppe mit anderen Bösewichten sein Leid klagt, ist köstlich.

Trotz seiner vielen eingestreuten Referenzen gerät der Film aber nie zum speziellen Insider-Nerd-Fest. "Ralph reicht's" funktioniert vielmehr als familienkompatible Action, die große Sympathien für Außenseiter und das Anderssein entwickelt. Bei allen, die sich ein bisschen in der Games-Historie seit den 8-Bit-Anfangsjahren auskennen, lässt er mit seiner nostalgischen Retroinfusion das Herzchen aber vielleicht noch ein paar pixelbreit höher hüpfen – und beim nächsten Game vielleicht gnädiger mit Programmierfehlern umgehen.
Sascha Rettig

(Wreck-it Ralph) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Rich Moore, Buch: Jennifer Lee, Phil Johnston, o.A., 101 min, Kinostart: 6. Dezember 2012 bei Disney

Foto: © 2012 Disney. All Rights Reserved.



Mehr Infos zu "Ralph reicht's"

"Wreck-it Ralph" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "Ralph reicht's"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Ralph reicht's" auf filmz.de




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