3/Tres

Tanz die kaputte Familie

Kinostart: 22.11.2012 | Cosima Grohmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Für Rodolfo macht das Leben ohne seine Familie wenig Sinn: Er stellt in seiner Zahnarztpraxis den Strom ab, um seine nervenden Patienten nach Hause schicken zu können. Begeistert hingegen trainiert er mit seiner Tochter Ana, wie man Bälle hält – schließlich ist sie als Torwart in einem aufstrebenden Handballteam. Und er versucht, Ordnung in die Wohnung zu bringen, die er vor zehn Jahren verlassen hat. In "3/Tres", einer Koproduktion aus Uruguay, Argentinien, Chile und Deutschland, erzählt Regisseur Pablo Stoll Ward von drei Personen, die einmal eine Familie waren. Das ist allerdings schon sehr lange her, Tochter Ana wird erwachsen und interessiert sich eher für Jungs und Rauchen, Ex-Frau Graciela ist eine selbstbewusste Alleinerziehende, die mit ihrer Tochter ein eher freundschaftliches Verhältnis ohne viele Regeln pflegt. Nur Rodolfo kann sich plötzlich mit dem Status quo nicht mehr abfinden und versucht in dem Leben der beiden Frauen einen Platz zu finden: entweder auf der Couch beim einsamen Hamburger-Verdrücken, während die beiden ihre Dates treffen, oder unter einem kaputten Waschbecken, das es zu reparieren gilt.

Ganze 119 Minuten schickt Regisseur Ward den armen Rodolfo durch die Ödnis seines leeren Lebens, übersetzt in langen Einstellungen, die verlassene Räume und kahle Wohnungen zeigen. Parallel dazu führen die beiden Frauen ihr Leben weiter. Sie brauchen Rodolfo nicht mehr, um glücklich zu sein. In der Langsamkeit seiner Erzählweise bleibt Ward bis zum Schluss konsequent – und widersetzt sich dabei auch erfolgreich jeglichen dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten wie etwa Figuren- oder Stoffentwicklung. So wird der Film zu einem mit vielen – mehr oder weniger originellen – aneinandergereihten Szenen bestückten, aber leider recht starren Tableau einer festgefahrenen Familienkonstellation. Hier bleibt wenig Spielraum für neue Umgangsformen oder Verhaltensweisen. Als es am Ende zu einer deplatzierten Musical-Szene kommt, in der die drei singend eine kleine Wohnzimmer-Choreografie aufführen, wird der Zuschauer dann schließlich doch noch aus diesem schwer verdaulichen Familiendrama gerissen. Zähes, aber dennoch konsequent gegen den Strich erzähltes Beziehungskino.
Cosima Grohmann

(3) Uruguay, Argentinien, Deutschland, Chile 2012, Regie: Pablo Stoll Ward, Buch: Gonzalo Delgado Galiana, Pablo Stoll Ward, mit Humberto de Vargas, Sara Bessio, Anaclara Ferreyra Palfy, Néstor Guzzini u.a., OmU, o.A., 119 min, Kinostart: 22. November 2012 bei Capelight

Foto: © controlzfilms/Karin Porley von Bergen



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