Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (2)

Bis(s) in alle Ewigkeit

Kinostart: 22.11.2012 | Jenni Zylka | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Es hat sich ausgesaugt. Auch die bekannteste Vampirsaga der Welt muss einmal zu Ende gehen. Doch durch einen ziemlich flachen, aber plausiblen dramaturgischen Trick am Schluss von "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)" kommen die Zuschauer noch mal in den Genuss des gesamten Sermons in 60 Sekunden: vom ersten Aufeinandertreffen der traurigen Außenseiterin Bella Swan mit dem heißkalten Vampir Edward Cullen in der High School des Städtchens Forks, über die schwierige Liebesgeschichte mit Fast-Trennungen und Fast-Todesfällen bis hin zu Hochzeit, Schwangerschaft und der Geburt des Vampir-Menschenmischlings Renesmee. Denn Bella hat ihre bis dato unbewusste Fähigkeit, ihren Kopf mit einem "geistigen Schild" vor Edwards leicht irritierendem Gedankenlesen abzuschirmen, so perfektioniert, dass sie den Schild kurz hochheben und ihr Mann endlich einmal – gemeinsam mit dem Publikum – in ihren Erinnerungen stöbern kann. Du siehst, sagt sie danach, ich habe dich immer geliebt.

Und wie es aussieht, wird sich noch mindestens eine Unendlichkeit weiter geliebt: Vampire sterben nicht. Stephenie Meyer, die Autorin der Twilight-Saga, hat keine weiteren Teile der Reihe mehr geplant, veröffentlicht aber demnächst ein Buch, das die gleiche Geschichte aus Edwards Perspektive erzählen wird. Verfilmen muss man so etwas nicht, aber Die-Hard-Fans werden es dennoch lesen. Tatsächlich ist es auch interessant, wie anders und blutrünstig das Geschnulze aus der Erzählperspektive eines uralten Vampirs klingt, ganz sicher anders als aus Sicht einer unsicheren 17-Jährigen, die sich in der neuen, kalten und regnerischen Heimat unwohl fühlt und lange an den Gefühlen ihres angebeteten Untoten zweifelt.

Schöne Menschen mit rotbraunen Augen

Im Gegensatz zum nun letzten Teil der Saga, der mit viel Tamtam am vorletzten Wochenende in den USA und weiteren Ländern startete und die Box-Office-Rekorde der übrigen Filme brach, war der Anfang "Bis(s) zum Morgengrauen" eine dichte und dringliche Teenager-Romanze, die die clevere Mormonin Meyer eher aus technischen Gründen in einer Fantasywelt ansiedelte: Mit Helden, die Superkräfte haben, kann man einfach viel besser Geschichten erzählen, denn man denkt sich alles selbst aus, was sie an möglichen oder unmöglichen Eigenschaften mitbringen, und kann somit für größtmögliche Stimmigkeit sorgen. Mit den folgenden drei Büchern und den dazugehörigen Filmen, die Liebesprobleme mit dem Konkurrenten und metamorphisch begabten Indianer/Werwolf Jacob, fremde Vampir-Gefahren für Bella und schließlich Edwards mormonisch-vampirisch begründete Sex-vor-der-Ehe-Weigerung behandelten, entfernte sich die Geschichte von ihrem Ursprung in der nachvollziehbaren, pubertären, zweifelnden Mädchenwelt. "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)" nun hat darum kaum noch etwas zu sagen: Statt Dramaturgie starren sich schöne, rotbraunäugige Menschen an, statt Handlung bewegt sich nur die Kamera, statt innerem Dilemma gibt es am Ende, einer Explosion gleich, eine lange und auf der Tonspur auch recht brutale Kampfszene mit den wahren Bösen, den Vampiren des Volturi-Zirkels, die die gutartige Vampirfamilie Cullen einer unerhörten Regelverstoßung verdächtigen. Und statt dem lang erwarteten Sex zwischen den endlich gleichstarken erwachsenen Vampiren Bella und Edward gibt es Kuscheln mit Musik. Hoffentlich knarrt das Bett im echten Leben der auch hinter der Kamera – nach kurzzeitiger Trennung wieder – als Paar auftretenden Hauptdarsteller stärker.

Liebe – für immer

Dass der erste Film der Reihe so gut war, liegt – neben dem Aha-Effekt und der besseren Literaturgrundlage – auch an der Regie: Catherine Hardwicke, die vor "Bis(s) zum Morgengrauen" gerade mal drei Filme inszeniert hatte, verließ sich auf starke, surreale Stimmungsbeschreibungen und vertraute ihren eifrigen Schauspielern, die sich seit ihrer Vampirkarriere kräftig weiterentwickelt haben. Und die mutig mit David Cronenberg (Robert Pattinson in "Cosmospolis"), Walter Salles (Kristen Stewart in "On the Road") und Werner Herzog (Robert Pattinson in "Queen of Desert") drehen, als ob sie das Leben nach dem Teeniestartum nicht erwarten können. Die Drehbücher aller "Twilight"-Filme schrieb Melissa Rosenberg, doch der zweite und dritte Teil unter der Regie von Chris Weitz und David Slade ließen bereits stark nach. Offenbar waren sie sich nicht wirklich sicher, wie viele Actionszenen man dem überwiegend weiblichen Publikum zumuten kann. Aber sie zeigten sich auch nicht sicher in der Schauspielerführung: Bei den starken emotionalen Prozessen kamen Handlung und Mitgefühl fast zum Erliegen. Der Tiefpunkt war der erste Teil von "Breaking Dawn", genau wie die letzte Folge von Bill Condon inszeniert. Hier wurde anscheinend davon ausgegangen, dass man statt eines Films auch einfach eine Diashow zeigen kann. Eine Ausnahme bildete die letzte, eindrückliche Szene mit Kristen Stewart als hochschwangere designierte Vampirbabymutter auf der Schwelle zum Tod.

Ob es tatsächlich an einer stärkeren Empathie einer Regisseurin mit dem Stoff lag, sei dahingestellt. Im letzten Twilight-Film gönnen Regisseur Condon und Produzentin Meyer dem Publikum jedenfalls nicht mal mehr seinen Edward in Aktion: Der hat im Film so gut wie gar nichts zu sagen oder zu tun, während Bella immerhin noch ihr aufregendes Leben als frisch umgewandelte Vampirdame entdecken und genießen darf. Eigentlich hängt jedoch alles an Alice, der Schwester Edwards, ohne deren Hilfe das Happy End nicht möglich gewesen wäre. Diese Konzentration auf die Nebenfigur ist natürlich ein alter Trick, um der Zwickmühle zu entgehen, dass es eigentlich schon im ersten Buch ein Happy End gab, an dem im Folgeband noch mal einigermaßen gerüttelt wurde. Aber nun sind kaum mehr Zweifel übrig. Sogar das neue Vampirkind ist brav und gesund. Was bleibt da noch zu wollen.

(The Twilight Saga: Breaking Dawn - Part 2) USA 2012, Regie: Bill Condon, Buch: Melissa Rosenberg nach dem Roman von Stephenie Meyer, mit Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner, Mackenzie Foy, Dakota Fanning, Cameron Bright u.a., ab 12, 115 min, Kinostart: 22. November 2012 bei Concorde

Foto: © 2012 Summit Entertainment, LLC. All rights reserved.

Jenni Zylka ist Autorin und Geheimagentin.



Mehr Infos zu "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)"

"The Twilight Saga: Breaking Dawn - Part 2" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)"
Filminfos in der Internet Movie Database
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