Cold Blood

Blut im Schnee

Kinostart: 22.11.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Unfall, mit dem alles beginnt, ist blutig, der anschließende Mord an einem Polizisten vor allem kalt. Kalt ist es auch zur Winterzeit in Michigan, in der freien Natur noch ein bisschen mehr. Die Geschwister Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) trennen sich, ganz gegen ihre Natur, aber auf der Flucht nach einem Casino-Überfall aus nachvollziehbaren Gründen. Liza trifft Jay (Charlie Hunnam). Ihr erotisches Rollenspiel bedroht das inzestuöse Verhältnis zu Bruder Addison, der sich unterdessen weiter den Weg freischießt. Und dann wird es so richtig familiär: Die Fäden laufen unaufhaltsam zusammen in Jays Elternhaus, wo zumindest die Mutter (Sissy Spacek) sehnsüchtig auf ihn wartet. Der Vater (Kris Kristofferson) hingegen will seinen aus der Haft entlassenen Sohn selbst zum Thanksgiving-Fest nicht sehen – und er weiß noch gar nicht, wen er mitbringt. Auch die tapfer aufklärende Polizistin Hanna (Kate Mara) hat keine Ahnung, mit wem und was sie es bald zu tun bekommt.

Mit einem soliden, etwas metaphernschweren Thriller feiert der österreichische Oscar-Regisseur Stephan Ruzowitzky ("Die Fälscher") sein Hollywood-Debüt. Familie, Thanksgiving und eine allgegenwärtige Gewalt – sehr US-amerikanische Themen hat er sich dafür ausgesucht. In der Wahl seiner ästhetischen Mittel – viel rotes Blut auf blütenweißem Schnee – ist er nicht zimperlich, subtilere Nuancen verdanken sich vor allem den hervorragenden Schauspielern. In einem gut konstruierten Finale kommt schließlich zusammen, was anfänglich etwas zerfahren wirkt. Wie haltbar und wie mörderisch sind Familienbande, wenn es darauf ankommt?

Ob die Mischung aus Genrethriller und Familienfilm aufgeht, ist die noch etwas spannendere Frage. Ein Vorbild findet sich in Truman Capotes Nonfiction-Klassiker "Kaltblütig" (verfilmt 1967), auf den der deutsche Titel dezent verweist. Auf kuriose Weise ähnelt "Cold Blood - Kein Ausweg. Keine Gnade." aber noch mehr dem Coen-Schneewestern "Fargo" (1996), dessen legendärer Witz darin bestand, dass ein Familienvater es mit Gangstern zu tun bekommt, die er sich selbst ins Haus holt – wenn man so will, hat man hier den historisch einmaligen Fall eines todernsten Dramas, das die eigene Parodie schon hinter sich hat. Ernster betrachtet, hat Ruzowitzky das US-amerikanische Gefühl einer ständig drohenden Gewalt fast makellos in Szene gesetzt. Was fehlt, ist die eigene Handschrift, und darum lässt einen "Cold Blood" leider auch etwas kalt.
Philipp Bühler

(Deadfall) USA 2012, Regie: Stefan Ruzowitzky, Buch: Zach Dean, mit Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Sissy Spacek, Kris Kristofferson, Kate Mara u.a., ab 16, 95 min, Kinostart: 22. November 2012 bei StudioCanal

Foto: © StudioCanal



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