Puppe, Icke und der Dicke

Road-Movie mit kleinen Schlaglöchern

Kinostart: 22.11.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Als der kleinwüchsige Bomber seinen Job als Kurierfahrer verliert, liefert er seine letzte Fuhre nicht wie geplant in Warschau ab, sondern will sie einem dubiosen Kunden in Paris verkaufen. Der verlädt Bomber nach Strich und Faden, und so strandet dieser ohne das erhoffte Geld und ohne Unterkunft in der Stadt der Liebe. An einem Kiosk trifft er den stummen Bruno, der ihn bei sich zu Hause aufnimmt, aber als Gegenleistung fordert, dass Bomber ihn mit zurück nach Berlin nehmen soll, wo Bruno zum Ort seiner Kindheit zurückkehren will. Zähneknirschend lässt sich der Berliner darauf ein. Zeitgleich macht sich auch die blinde Europe auf den Weg von Paris nach Berlin. Sie ist schwanger von einem One-Night-Stand mit einem Deutschen, den sie in Berlin mithilfe eines Polaroid-Fotos wiederfinden will. Doch an einer Raststätte fährt der Bus ohne sie weiter, und bevor ihre ständig motzende Freundin von der Toilette wiederkommen und sie zurück nach Paris schleifen kann, setzt Europe die Reise kurzerhand alleine per Anhalter fort. An einer Tankstelle trifft sie Bomber und Bruno, der Europe aus Paris kennt – und schon ist das ungleiche Trio perfekt. In schlechtem Englisch fangen Europe und Bomber sofort an sich zu zoffen, während der sanfte Bruno schlichtet. So schliddern sie von einer absurden Situation in die nächste, bis sie Berlin erreichen und alles ganz anders läuft als erwartet.

In seinem Langfilmdebüt setzt der junge Berliner Filmemacher Felix Stienz auf liebenswert-skurrile Typen, originelle Musik und ein wenig surreale Komik à la Kusturica. Auch nimmt er jede Menge Berlinklischees auf die Schippe. Der Film lebt von seinen schnodderigen Dialogen, schrägen Ideen und seiner – für einen deutschen Film – ungewöhnlichen Leichtigkeit und Sorglosigkeit. Warum soll die blinde Europe nicht Bombers Auto fahren? Wieso sollte das Trio nicht als angesagte Band durchgehen und spontan deren Sommerhit auf der Bühne vortragen? "Puppe, Icke & der Dicke" ist ein märchenhaftes Road-Movie, das mit seinem eigenwilligen Charme auf vielen Festivals gepunktet hat. Da mag man dem Film nachsehen, dass die Inszenierung hier und da etwas holprig und die Story ein wenig unausgegoren wirkt und sich auf zu viele Zufälle verlässt.
Melanie Dorda

Puppe, Icke & der Dicke, Deutschland 2012, Buch & Regie: Felix Stienz, mit Tobi B., Stephanie Capetanides, Matthias Scheuring, Matthias Hinz, Vivien Bullert u.a., ab 6, 86 min, Kinostart: 22. November 2012 bei drei-freunde

Foto: © Stefan Hoederath/strangenough pictures/One Two Films



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