Transpapa

Mein Papa heißt Sofia

Kinostart: 22.11.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Sie wollte ihr Männerbild nicht durcheinanderbringen, sagt Marens Mutter Ulrike, nachdem das gerade 15 Jahre alt gewordene Mädchen herausgefunden hat, dass ihr jahrelang verschollen geglaubter Vater Bernd (Devid Striesow) überhaupt nicht auf Sinnsuche in Nepal ist, sondern wieder in Deutschland lebt. Allerdings ist er nicht mehr der Alte, sondern lebt als transsexuelle Frau unter dem Namen Sofia irgendwo auf dem Land in Nordrhein-Westfalen. Ein Riesenschock, denn Maren (Luisa Sappelt) ist mit ihrer Pubertät schon beschäftigt genug, fühlt sich unverstanden und der kleinen Schwester gegenüber benachteiligt. Und dann sind da auch noch die blöden Jungs. Ihre überforderte Mutter kann ihr jedenfalls nicht helfen. Kurz entschlossen fährt Maren heimlich zu ihrem Vater. Als sie ihn dann aber im Rock und geschminkt am Bahnhof wiedersieht, verschlägt es ihr zunächst die Sprache.

Unaufgeregt und beinahe sachlich erzählt Regisseurin Sarah Judith Mettke in ihrem Spielfilmdebüt "Transpapa" von der schwierigen Identitätssuche einer Heranwachsenden. Maren, wunderbar wortkarg und undurchdringlich gespielt von Luisa Sappelt, ist ein ganz normaler Teenager und muss sich mit einer denkbar ungewöhnlichen Situation arrangieren. Scheinbar völlig unbewegt wandert das Berliner Großstadtmädchen Maren in der für sie unbekannten Welt zwischen Ökobauernhöfen und Einfamilienhausidyll umher, in der ihr Nicht-mehr-Vater Sofia zu Hause ist. Sämtliche Auflockerungsversuche ihrerseits prallen an dem Mädchen ab. Und die Offenheit, mit der sie auf die Tochter zugeht, überrumpelt das verschlossene Mädchen. All die Jahre hat sie den Vater vermisst und erkennt ihn nun in Sofia kaum noch wieder. Aber auch sie ist anders und wird es bei ihrer Abreise noch mehr sein.

Ohne je platt oder rührselig zu werden, erzählt "Transpapa" nicht nur eine einfache Coming-of-Age-Geschichte. Es sind zwei Menschen, die ihren Platz im Leben suchen. Maren hat das ganze Leben noch vor sich und Sofia orientiert sich völlig neu. Nach und nach entdecken Tochter und Anti-Vater, wie viel gemeinsam sie dennoch haben, und nähern sich wieder an. Man sieht ihnen gerne dabei zu, was nicht zuletzt am äußerst zurückgenommenen Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren liegt. Wohl gibt es skurrile Situationen und die Figur der Sofia wirkt schon allein durch Striesows kantige Körperlichkeit irritierend. Lächerlich ist sie jedoch keineswegs, denn er spielt sie mit äußerst glaubhafter Natürlichkeit. Ein echtes kleines Filmjuwel.
Ingrid Beerbaum

Transpapa, Deutschland 2011, Buch & Regie: Sarah Judith Mettke, mit Luisa Sappelt, Devid Striesow, Sandra Borgmann, Fritzi Haberlandt, Horst Sachtleben u.a., 90 min, Kinostart: 22. November 2012 bei BesserAlsEcht

Foto: © BesserAlsEcht



Mehr Infos zu "Transpapa"

"Transpapa" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Transpapa" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Was bisher geschah...

Transpapa

Ein Superfilm! Nie übertrieben, gute Sprache, sehr gut gespielt. Vorallem Devid Striesow ist der Hammer dagegen kann Robert De Niro kann wirklich einpacken.

Sebastian Pfütze | 6. Dezember 2012   11:49

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)