Red Tails

Ultra-Seichtflieger

Kinostart: 15.11.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Afro-Amerikaner sind zu dumm und zu feige für kriegerische Auseinandersetzungen, sagen US-amerikanische Studien der 1920er-Jahre. Das rassistische Vorurteil herrscht auch im Zweiten Weltkrieg noch vor. Doch da die USA jeden Mann brauchen, um den Krieg für sich zu entscheiden, bilden sie erstmals im Tuskegee Institute in Alabama Afro-Amerikaner zu Kampfpiloten aus. Die kommen 1944 in Italien zum Einsatz: In antiquierten Maschinen dürfen die Tuskegee Airmen Kontroll- und Aufräumflüge übernehmen. Auf dem Boden werden sie von ihren weißen Kameraden angepöbelt und diskriminiert, in der Luft nicht für voll genommen. Doch ihre Chance kommt: In nagelneuen Flugzeugen sollen sie den am Strand landenden Truppen Deckung geben - und natürlich schlagen sie sich mit Bravour. Als sie beim nächsten Einsatz eine Bomberstaffel beschützen, geraten sie hart unter Beschuss und kämpfen sich zur Legende: Alle schwärmen fortan von den Red Tails, denn das Heck jeder ihrer Maschinen ist knallrot gestrichen. Doch der gefährlichste Auftrag liegt noch vor ihnen …

Die wahre Geschichte der Tuskegee Airmen wurde bereits in Büchern, Dokumentarfilmen und einer TV-Produktion von 1995 mit Laurence Fishburn und Courtney B. Vance festgehalten. Laut eigener Aussage war es Produzent George Lukas eine Herzensangelegenheit sie für die große Leinwand zu adaptieren. Zwar nicht als 3D-Spektakel, wie man vermuten könnte, dafür mit 3D-Sound: Das Auro 3D-Format platziert vier zusätzliche Höhenlautsprecher über den Köpfen des Publikums und soll dem Klang damit laut Presseheft eine zusätzliche Dimension verleihen. Allerdings sind die wenigsten Kinos in Deutschland auf das neue System eingestellt. Doch auch im konventionellen Surround-Sound haut "Red Tail" dem Zuschauer das Kriegsspektakel mit Getöse um die Ohren. Die Flugszenen sehen spektakulär aus, wenngleich sie deutlich aus dem Rechner stammen.

Inhaltlich strotzt der Film nur so vor Stereotypen: Es gibt den tollen Draufgänger mit Herz, den nachdenklichen Anführer mit Problemen, kernige Offiziere, Reden voller Pathos, die allzu glatte Liebesgeschichte, die bitterbösen Nazis etc. pp. Das filmische Denkmal für die einstigen Kampfpiloten ist allzu seicht und teilweise sogar unfreiwillig komisch ausgefallen, trotz renommierter Darsteller wie Cuba Gooding Jr. oder Terrence Howard. Schade, denn die Geschichte hätte sicher mehr hergegeben.
Melanie Dorda 

Red Tails, USA 2012, Regie: Anthony Hemingway, Buch: John Ridley, Aaron McGruder nach dem Sachbuch "Red Tails, Black Wings: The Men of America's Black Air Force" von John B. Holway, mit Terrence Howard, Cuba Gooding Jr., Nate Parker, David Oyelowo, Tristan Wilds, Ne-Yo, Elijah Kelley u.a., ab 16, 125 min, Kinostart: 15. November 2012 bei Capelight

Foto: © capelight pictures



Mehr Infos zu "Red Tails"

"Red Tails" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite: "Red Tails"
Filminfos in der Internet Movie Database
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