Der deutsche Freund

Bilder einer Ausstellung

Kinostart: 1.11.2012 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Eine unmögliche Liebe? In den 1950er-Jahren wächst die deutsch-jüdische Sulamit in Buenos Aires in direkter Nachbarschaft zu aus Deutschland geflohenen Nazis auf. Deren Sohn Friedrich wird ihr bester Freund. Beide Familien reden nicht über ihre Vergangenheit, auch nicht darüber, weshalb sie die wachsende Zuneigung zwischen ihren Kindern mit gemischten Gefühlen beobachten. Doch als Friedrich entdeckt, dass sein Vater ein SS-Obersturmbannführer war und noch immer der Nazi-Ideologie anhängt, bricht er mit seiner Familie und beginnt eine lebenslange Revolte. Sie führt zum Studium nach Frankfurt, in APO-Kreise, in den bewaffneten Kampf zurück nach Argentinien, wo er dann im Gefängnis landet. Sulamit stolpert hinterher und versucht sich dabei selbst zu finden. Irgendwann wird ihr bewusst, dass bei Friedrich stets der politische Kampf an erster Stelle steht. Also sucht sie sich einen anderen Mann, den sie allerdings nicht mit Haut und Haaren liebt. Sulamits Leben klingt pragmatisch und ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Jeanine Meerapfel führte bei "Der deutsche Freund" Regie und hat bedingungslos Autobiografisches hineingewoben. Auch sie wurde 1943 in Buenos Aires als Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer geboren und reflektierte schon oft die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Argentiniens und Deutschlands Geschichte. Ihr Blick auf die Studentenrevolte im Frankfurter Westend anno 1968 ist zweifellos spannend, weil sie den Aufstand gegen die Elterngeneration einmal aus einer anderen Perspektive zeigt. Doch die Übergenauigkeit, mit der Meerapfel ihre Geschichte erzählt, bremst deren Fluss gehörig und ihre permanente Didaktik distanziert. Detailreichtum mag schön sein, doch hier wird alles so beflissen präsentiert, dass man durch diesen Film wie durch eine Ausstellung wankt, die von Emotionen nur erzählt, anstelle sie nachvollziehbar zu machen.
Cristina Moles Kaupp

(El amigo alemán) Deutschland, Argentinien 2012, Buch & Regie: Jeanine Meerapfel, mit Max Riemelt, Celeste Cid, Benjamin Sadler, Hartmut Becker u.a., ab 12, 104 min, Kinostart: 1. November 2012 bei Neue Visionen

Foto: © Neue Visionen Filmverleih



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