Skyfall

Bond - 50 und ziemlich frisch

Kinostart: 1.11.2012 | Jenni Zylka | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Auch wenn man denkt, man wisse alles über Bond, denn schließlich platzen angesichts seines 50. Geburtstags Zeitungen und Magazine aus allen Nähten: Wenn man "Skyfall" gesehen hat, weiß man noch mehr. Man weiß beispielsweise, dass die Figur in jedem Film, in dem Daniel Craig ihr sein mürrisch-hübsches Gesicht leiht, ein wenig mehr vom Frauenflachleger und gefühlskalten Militärbrocken Commander Bond weg und zum nachdenklichen Menschen James hinstrebt. Was mit den Zeiten und vor allem den Machern zusammenhängt: Sam Mendes, der Regisseur von "Skyfall", war entschlossen, sich so nah ans Erzählkino zu wagen, wie es in einem Actionfilm möglich ist.

Das geht vor allem durch den Kunstgriff "Alt vs. Neu". Denn der hübsche Running Gag in "Skyfall" ist Bonds (und Ms) teilweise bestätigte Befürchtung, langsam zum alten Eisen zu gehören. Also muss vor allem Bond beweisen, dass alte Besen doch noch am besten kehren: Er tauscht das schicke neue MI6-Alleskönner-Auto gegen Sean Connerys hart aufgehängten Aston Martin und droht M scherzhaft an, sie mit dem Schleudersitz auf die Straße befördern zu können, wenn es ihr zu unbequem ist. Er schlägt sich mit einem bebrillten Whizkid im Parka herum, der die Stelle Qs eingenommen hat. Vor allem muss er einen großen, langen und schönen Showdown in den schottischen Hochmooren überleben, der – und in diesem Fall darf man tatsächlich aus Spoilergründen nur andeuten – fast fabrikwaffenfrei über die Bühne geht.

Das Erstaunlichste am Bond ist jedoch sein entspannter Umgang mit Homosexualität: Sie kommt erstens überhaupt vor und zweitens nicht in peinlich-tendenziöser Parodieform wie bei "Mr. Kidd" und "Mr. Wint" aus "Diamantenfieber". Sondern einfach als einer von vielen Charakterzügen. Man scheint es wahrlich mit einem neuen Bond zu tun zu haben. Einem, der nicht mehr sämtlichen Frauen reihenweise die Bikinipopos tätschelt. Und der genau dadurch, entgegen der Annahme der Bondmacher-Männer-Mafia aus den 1960ern, sogar noch an Sexappeal gewinnt.
Jenni Zylka

Skyfall, Großbritannien, USA 2012, Regie: Sam Mendes, Buch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan, mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Albert Finney, Ben Whishaw u.a., ab 12, 143 min, Kinostart: 1. November 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "Skyfall"

"Skyfall" – die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Skyfall"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Skyfall" auf filmz.de




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