Bollywood - Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten

Ein Kessel Buntes

Kinostart: 25.10.2012 | Susanne Gupta | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Amitabh Bachchan wird in Indien wie ein Gott verehrt. Um den Schauspielerstar zu sehen, pilgern jede Woche 1500 Menschen zu seinem Haus nach Mumbai. Er hat in vielen erfolgreichen Bollywood-Filmen seit den 1960er-Jahren mitgewirkt. Ausschnitte daraus präsentieren ihn nun neben jüngeren Superhelden wie Shah Rukh Kahn und Hrithik Roshan in dem Dokumentarfilm "Bollywood - Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten".

Der Film, der 2011 in Cannes auf den Festspielen lief, will zeigen, weshalb Millionen von Menschen weltweit das Hindi-Mainstream-Kino enthusiastisch lieben. Dazu haben Rakeysh Omprakash Mehra ("Rang De Basanti") und der preisgekrönte Dokumentarfilmer Jeff Zimbalist ("Favela Rising", "The Two Escobars") unzählige Song- und Tanzszenen mit opulenten Sets, Choreografien und Kostümen, die im klassischen Bollywood-Film nicht fehlen dürfen, zu einem karnevalesken Bilderbogen kompiliert, der die Zeit von der Unabhängigkeit Indiens 1947 bis in die Gegenwart überspannt.

Wer jedoch kein Insider ist, wird sich in dieser Hommage hoffnungslos verloren fühlen. Denn der clipartige Film bietet über weite Strecken keine Orientierung und erschöpft sich in einem kunterbunten Potpourri. Wichtige Akteure in der Industrie und Darsteller wie Shammi Kapur, Madhuri Dixit, Aishwarya Rai oder der Filmautor Javed Akhtar kommen zu Wort, doch ihre Statements sind zu kurz, um aussagekräftig zu sein. Irritierend ist auch, dass Nachrichtenbilder von der Unabhängigkeit Indiens oder von zentralen Ereignissen wie der Zerstörung der Babri Moschee in Ayodhya oder das Gujarat Pogrom ohne Kontext und Bezug zu Musikstücken eingeblendet werden.

Gern hätte man mehr erfahren darüber, inwiefern das Bollywood-Kino – allen eskapistischen Tendenzen zum Trotz – im Prozess der Modernisierung immer wieder wichtige Entwicklungen reflektiert hat – wie etwa die Landflucht in den 1950ern, die Raj Kapoor in einem der bis heute populärsten Bollywood-Songs "Mera joota hai Japani" ("Meine Schuhe sind japanisch") besungen hat.
Susanne Gupta

(Bollywood: The greatest Love Story ever told) Dokumentarfilm, Indien 2011, Regie: Rakeysh Omprakash Mehra, Jeff Zimbalis, Buch: Sabrina Dhawan, Rakeysh Omprakash Mehra, mit Aishwarya Rai Bachchan, Shah Rukh Khan, Madhuri Dixit, Amitabh Bachchan,Saroj Khan u.a., OmU, 75 min, Kinostart: 25. Oktober 2012 bei Rapid Eyes Movies

Foto: © Rapid Eyes Movies



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