Hotel Transsilvanien

Verrat am Monster

Kinostart: 25.10.2012 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Auch Monster brauchen einen Ort, am dem sie entspannen können. Und vor allem: an dem sie nicht von Menschen bedroht werden. Das abgelegene Hotel, das Graf Dracula in Transsilvanien eröffnet hat, ist genau so ein Ort. Doch eines Tages wird die Ruhe dort gestört, als der neugierige Rucksacktourist Jonathan das Hotel betritt. Mit einer Verkleidung kann Dracula den ungebetenen Gast immerhin noch provisorisch tarnen, damit die Monster nicht in Panik geraten. Schlimmer allerdings ist, dass Draculas aufmüpfige Tochter Mavis sich sofort in den Fremden verliebt. Denn Dracula macht sich große Sorgen um Mavis und will sie am liebsten vor der großen weiten Welt schützen. Ein Mensch wie Jonathan passt dabei überhaupt nicht in sein Konzept.

Irgendwann muss den Filmemachern klar geworden sein, dass auch ein Monsterhotel mit so illustren Gästen wie Frankenstein, dem unsichtbaren Mann, der Mumie sowie einer Werwolffamilie und ein paar Zombies zwar reichlich Potenzial für allerlei Gags bietet, aber noch lange nicht genug Stoff für eine richtige Geschichte. So erweist sich die Beziehung zwischen dem übervorsichtigen, alleinerziehenden Vater Dracula und seiner Vampirtochter, die endlich auf eigenen Beinen stehen will, als emotionaler Kern des Films. Alle guten Ansätze allerdings werden schnell wieder zunichte gemacht, weil dieser Coming-of-Age-Geschichte letztlich doch nicht vertraut wird. Stattdessen dürfen die Monster eine Freak-Show abliefern, während sich Dracula vergeblich um Fassung bemüht. Offensichtlich standen die alten Warner-Cartoons Pate für dessen ruckartige, zugespitzt hektische Bewegungen – allerdings ohne den subversiven Humor der Vorlage, weshalb auch dieses Zitat nicht greift.

Dass sich Mavis schließlich ausgerechnet in Jonathan verliebt, ruiniert die Glaubwürdigkeit umso mehr, ist dieser doch ein Einfaltspinsel, der kaum mehr zu bieten hat als Grimassen. "Doch nicht diesen Trottel!", möchte man ihr zurufen. Aber es kommt, wie es kommen muss. Und um alles ins Lot zu bringen, scheut sich der Film auch nicht, jegliche Genreregeln außer Kraft zu setzen und damit seine Figuren zu verraten. Wenn ein aufopferungsvoller Vampirpapa seine Tochter glücklich machen will, dann muss er eben in seiner Fledermausform auch hoch über den Wolken schneller als ein Flugzeug fliegen und dem Sonnenlicht trotzen können. Es ist wirklich zum Heulen, was dieser Film aus all den schönen Monstermythen macht.
Stefan Stiletto

(Hotel Transylvania) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Genndy Tartakovsky, Buch: Peter Baynham, Robert Smigel, ab 6, 92 min, Kinostart: 25. Oktober 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "Hotel Transsilvanien"

"Hotel Transylvania" – die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Hotel Transsilvanien"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Hotel Transsilvanien" auf filmz.de




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