Keep the Lights On

Abhängigkeiten

Kinostart: 25.10.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Liebe ist ein unergründlicher, schwer kalkulierbarer und manchmal auch vollkommen unverständlicher Gefühlszustand. Je willenloser man sich seinen Gefühlen hingibt, desto größer der Schmerz am Ende. Jeder kennt das. Und doch ist niemand davor gefeit. So ergeht es auch Erik in Ira Sachs schonungslosem Beziehungsdrama "Keep the Lights On". Allein das Zusehen tut weh. Erik ist ein Idealist, der nicht anders kann als seinen inneren Überzeugungen zu folgen, beruflich wie auch privat. Einen aussichtsreichen Job beim Fernsehen hat er abgelehnt, weil er an einer Dokumentation über die schwule New Yorker Künstler-Ikone Avery Willard arbeitet. Nicht anders läuft es mit Paul. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Nach ihrem ersten Treffen meint Paul noch lapidar: "Ach, übrigens, ich habe eine Freundin, also mach' dir keine Hoffnung." Aber schon nach dem zweiten Treffen ist alles klar. Erik ist sogar bereit, über Pauls größtes Laster hinwegzusehen: Paul ist cracksüchtig. Sex und Drogen sind eine gefährliche Mischung, seine Liebe zu Erik befeuert Pauls Sucht nur noch, bis er nicht mehr zur Arbeit erscheint. Erik ist genauso abhängig – von Paul, dem er helfen will und sich bei diesem Versuch fast selbst aufgibt.

"Keep the Lights On" ist mehr als ein schwules Beziehungsdrama. Es ist auch die Geschichte von Sachs, der eine ähnlich zerstörerische Beziehung hinter sich hat. Sein ehemaliger Partner Bill Clegg hat darüber vor einigen Jahren den Roman "Porträt eines Süchtigen als junger Mann" geschrieben. Nun legt Sachs mit "Keep the Lights On" nach: einem Film über die rohe Intensität der Gefühle und aufopferungsvolle, verzweifelte Liebe. Aber auch eine Chronik der schwulen New Yorker Künstlerszene Ende der 1990er-Jahre. Die Sehnsucht nach dem ungezügelten Hedonismus der frühen Jugend, gleichzeitig der Wunsch nach einer festen Bindung, Drogen als Ausweg aus dem Dilemma. Und die Suche nach einem schwulen Selbstverständnis in einer stets argwöhnischen Gesellschaft.

"Keep the Lights On" erzählt die Beziehung von Erik und Paul über einen Zeitraum von zehn Jahren, in denen sie mit den immer selben schmerzvollen Fragen konfrontiert werden. Was erwarten wir vom Leben? Wie viel Leid sind wir bereit für unsere Liebe zu ertragen? Die Wahrheit klingt ernüchternd. Doch Sachs Anteilnahme ist zutiefst bewegend.
Andreas Busche

Keep the Lights On, USA 2012, Regie: Ira Sachs, Buch: Ira Sachs, Mauricio Zacharias, mit Thure Lindhardt, Zachary Booth, Paprika Steen, Sebastian La Cause, Juliana Nicholson u.a., OmU, ab 16, 102 min, Kinostart: 25. Oktober 2012 bei Salzgeber

Foto: © Christophe Hussen



Mehr Infos zu "Keep the Lights On"

"Keep the Lights On" – die offizielle Filmwebseite (englisch)
Filminfos in der Internet Movie Database
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