Policeman

In einem zerrissenen Land

Kinostart: 25.10.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Eine Eliteeinheit und eine Terroristentruppe, durchtrainierte Körper und schwere Waffen, unerfüllte Liebe und ewige Männerfreundschaft. "Policeman" hätte das Potenzial zu einem lauten und schussgewaltigen Action-Film mit Vin Diesel in der Hauptrolle. Aber Nadiv Lapid hatte anderes im Sinn: Der israelische Filmemacher nutzt den Stoff stattdessen, um einen tiefen Riss offen zu legen, der sich durch die Gesellschaft seines Landes zieht.

Dazu hat Lapid "Policeman" säuberlich in drei einzelne Filme aufgeteilt: Zuerst beobachtet er Yoram, Mitglied einer Anti-Terror-Einheit, wie er trainiert, sich liebevoll um seine hochschwangere Frau kümmert und bei einem Gartenfest mit den Kollegen feiert. Der zweite Film zeigt eine Gruppe jugendlicher Revoluzzer, die in der Wüste auf Bäume schießen, mit der Knarre vor dem Badezimmerspiegel posieren und Stunden mit der Formulierung ihres revolutionären Manifestes zubringen. Im dritten Film schließlich prallen die Protagonisten der beiden ersten Teile aufeinander: Die Revoluzzer überfallen eine Hochzeit und entführen Milliardäre, Yorams Einheit soll die Geiseln befreien.

Doch "Policeman" ist kaum interessiert an dieser dramatischen Geschichte, obwohl er sie in aller Ruhe erzählt. Er nimmt sie vor allem zum Anlass, den inneren Zustand Israels zu ergründen. Die Analyse des Filmemachers: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Die Terroristen, die das erkennen und mit Gewalt zu verändern versuchen, und die Polizisten, die das herrschende System stützen, sitzen eigentlich im selben Boot. Aber noch deckt die Bedrohung Israels durch äußere Feinde jene Konflikte, die im Land brodeln, zu. Klinisch, nahezu dokumentarisch, mit stets stiller Kamera, ohne ablenkende Soundtrack-Musik und mit Schauspielern, die hinter starren Gesichtern die Gefühle ihrer Figuren verbergen, blickt der Film auf diese Konflikte. Das macht "Policeman" spannender als jeden Action-Film aus Hollywood.
Thomas Winkler

(Ha-shoter) Israel 2011, Buch & Regie: Nadav Lapid, mit Yiftach Klein, Yaara Pelzig, Michael Moshonov, Menashe Noï, Michael Aloni u.a., OmU, ab 16, 105 min, Kinostart: 25. Oktober 2012 bei GM Films

Foto: © GM Films



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