Agent Ranjid rettet die Welt

Müde Gags

Kinostart: 18.10.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Glauben deutsche Filmproduzenten wirklich, dass allein die Fernsehbekanntheit einer Sketchfigur Scharen von Besuchern in die Kinos treibt? Anders lässt sich ein Werk wie "Agent Ranjid rettet die Welt" nicht erklären. Für alle, die die Figur nicht kennen: Ranjid ist die Erfindung des Fernsehkomikers Kaya Yanar. Ein Inder, der einen albernen Akzent hat, als Putzmann arbeitet, knallbunte 1970er-Klamotten trägt und als Haustier eine Kuh namens Benytha hält, die er abgöttisch liebt. Als Charakter tauchte er in Yanars Fernsehshow "Was guckst Du?" auf und war dort durchaus witzig. Aber was im Drei-Minuten-Format funktioniert, muss noch lange nicht für einen Spielfilm taugen. Womöglich wollen die Produzenten auch nur vom derzeitigen James-Bond-Hype profitieren. Dass ihnen das gelingt, ist fraglich.

Putzmann Ranjid (Kaya Yanar) tagträumt von einer Karriere als Superagent, die ihm eines Tages tatsächlich in den Schoß fällt – alles aus Liebe zu seiner Kuh. Die braucht nämlich eine sehr teure Magenoperation, die er sich nicht leisten kann. Seine Stunde schlägt, als der fiese Holländer Freek van Dyk (Rutger Hauer) versucht, mit seinen Adlaten Reppe und Viagra die Weltherrschaft an sich zu reißen. Sämtliche Geheimdienste der Welt hat er schon ausgeschaltet. Nur Ranjids türkischer Chef Süleyman ist mit seinem Ayran Secret Service noch einsatzfähig und heuert mangels Alternative den ahnungslosen Tollpatsch für viel Geld an, denn seine "Süperagenten" Hakan und Sirtakimann (beide Kaya Yanar) sind handlungsunfähig.

Allein die Rollennamen verraten, auf welchem Humorniveau sich der Streifen bewegt. Keine Plattitüde wird von Regisseur Michael Karen ("Erkan und Stefan - Der Tod kommt krass") ausgelassen, kein Klischee nicht bedient. Behäbig schlingert die dünne Handlung von einem müden Gag zum anderen. Das fängt mit den unaufhörlichen Darmwinden der Kuh an, geht weiter mit allen schlimm-doofen Holländerklischees und macht vor Yanars türkischer Herkunft in Form von Kopftuchalbernheiten nicht halt. Von Agentenfilmparodien à la "Austin Powers" (1997) ist das Lichtjahre entfernt und witzig bestenfalls ein paar Sekunden lang. Außer vielleicht für Leute, die einfachen Brachialhumor mögen – oder für 10-Jährige.
Ingrid Beerbaum

Agent Ranjid rettet die Welt, Deutschland 2012, Regie: Michael Karen, Buch: Dieter Tappert, Norman Cöster, Kaya Yanar, mit Kaya Yanar, Gode Benedix, Birte Glang, Vedat Erincin, Rutger Hauer, Tom Gerhard u.a., ab 6, 81 min, Kinostart: 18. Oktober 2012 bei Constantin

Foto: © 2012 Constantin Film Verleih GmbH/Gordon A. Timpen



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