Premium Rush

Asphaltrennen

Kinostart: 18.10.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ein Stahlrahmen, ein Gang, keine Bremsen. Das Credo des Fahrradkuriers gibt auch ein gutes Rezept für eine verbesserte, reduzierte Form des Actionfilms ab. Regisseur David Koepp fungiert als Autor großformatiger Blockbuster ("Jurassic Park", "Spider-Man", "Krieg der Welten") gewöhnlich im Hintergrund. "Premium Rush" verhält sich nun eher wie die Antithese zu den Filmen, mit denen man Koepps Namen eigentlich verbindet. Er verzichtet bis auf ein paar gimmickhafte Google-Maps-Einblendungen und einige sehr unterhaltsame 3D-animierte Unfallszenarien auf flashige Effekte. Koepps Film ist gemessen an den High-Tech-Vehikeln, die Hollywood saisonal bedingt in die Multiplexe spült, das Fixie unter den Actionfilmen. Mean and lean – und überdreht wie ein Chuck-Jones-Cartoon. Nicht zufällig nennt sich der von Joseph Gordon-Levitt gespielte Fahrradkurier Wilee – angelehnt an Jones' Cartoonfigur Wile E. Coyote. Wilee ist der beste und waghalsigste unter den Kurieren, die jeden Tag die Straßen von New York unsicher machen. "Bremsen sind der Tod", lautet sein Motto. Sein Gegenspieler ist ein korrupter Cop namens Bobby Monday, der Michael Shannons Kuriositätenkabinett von derangierten Psychos ein weiteres unvergessliches Gesicht hinzufügt.

Der Gesetzeshüter jagt einem Briefumschlag hinterher, der sich in Wilees Kuriertasche befindet. Aber was in der Tasche landet, bleibt in der Tasche. Auch das ist ein Kurier-Credo. Der Inhalt des Umschlags ist ohnehin nicht mehr als ein klassischer MacGuffin: der Vorwand für einige halsbrecherische Verfolgungsjagden einmal quer durch den Rush-Hour-Verkehr von Manhattan. Wilee auf dem Fahrrad, Detective Monday im Auto hinterher, unterstützt von einem Fahrradpolizisten, der ein ums andere Mal an den Gesetzen der Schwerkraft scheitert. Wilee auf seinem Fixie ist dagegen unschlagbar. Die Fahrradstunts wurden real gedreht, was "Premium Rush" eine schöne Griffigkeit verleiht: Die Verfolgungsjagden sind rasant, aber nie over-the-top. Was man von Michael Shannon nicht behaupten kann, der seinen Bobby Monday als augenrollenden und irre vor sich hin brabbelnden Borderliner spielt. In gerade mal 90 Minuten liefert "Premium Rush" den schlagenden Beweis, dass das gute alte Action-B-Movie noch lange kein Relikt der Vergangenheit ist.
Andreas Busche

Premium Rush, USA 2012, Regie: David Koepp, Buch: David Koepp, John Kamps, mit Joseph Gordon-Levitt, Jamie Chung, Michael Shannon, Dania Ramirez, Aasif Mandvi u.a., ab 12, 91 min, Kinostart: 18. Oktober 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "Premium Rush"

"Premium Rush" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Filmwebseite vom deutschen Verleih
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