Zeit zu leben

Die fremde Schwester

Kinostart: 18.10.2012 | Anne Facompré | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Sam (Chris Pine) hat ein ziemlich loses Mundwerk und fährt damit in seinem New Yorker Job ganz gut – bis er einen Fehler macht und deshalb ein wichtiger Deal platzt. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, erfährt Sam am gleichen Tag vom Tod seines Vaters, zu dem er zuletzt kaum noch Kontakt hatte. Nur ungern fliegt Sam nach L.A. zu seiner ihm entfremdeten Mutter (Michelle Pfeiffer) und muss erfahren, dass sein Vater ihn mit der Erfüllung seines letzten Willens beauftragt hat: Er soll 150.000 Dollar einem ihm fremden Jungen überbringen. Als er das Kind und dessen Mutter Frankie findet, stellt er schockiert fest, dass Frankie (Elizabeth Banks) seine Halbschwester ist, von der er bislang nichts wusste. Er behält seine Erkenntnis für sich und rückt auch das Geld nicht heraus. Doch dann lernt er die junge Frau und ihren Sohn Josh kennen und beginnt, über sein Leben und seine Familie nachzudenken.

Regisseur Alex Kurtzmans begibt sich mit "Zeit zu Leben" auf gänzlich neues Terrain. Kinogänger kannten ihn bisher nur als Autoren, der an den Drehbüchern für Filme wie "Star Trek" und "Cowboys & Aliens" maßgeblich beteiligt war. Doch nun verarbeitet er in diesem Familiendrama eigene Erlebnisse, denn auch er hat erst als Erwachsener von der Existenz seiner Halbschwester erfahren. Vielleicht zeigt sein emotionales Spielfilmdebüt deshalb so viel Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen. Als tiefgründige Charakterstudie geht der Film allerdings nicht durch, dafür sind die Protagonisten doch etwas zu flach gezeichnet, wenngleich besonders Elizabeth Banks in ihrer Rolle als alkoholkranke, alleinstehende Mutter überzeugt und auch Michael Hall D'Addoria, der ihren rebellischen, frühpubertären Sohn Josh spielt, wirkt erfrischend echt.

"Zeit zu Leben" funktioniert vor allem wegen dieser liebenswerten Figuren. In Bezug auf die Story folgt Kurtzman leider einem bewährten Hollywood-Muster: Durch einen einzigen Satz hätte Sam die ganze Situation auflösen und viel Streit und Leid verhindern können. Stattdessen verschweigt er Frankie, dass er ihr Bruder ist, und schafft damit einen typischen Handlungsbogen, der in einem relativ voraussehbaren Ende mündet. Die insgesamt positive Wirkung des Films entschädigt jedoch für die teilweise unoriginelle Geschichte.
Anne Facompré

(People Like Us) USA 2012, Regie: Alex Kurtzman, Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jody Lambert, mit Chris Pine, Elizabeth Banks, Michael Hall D'Addario, Michelle Pfeiffer, Olivia Wilde u.a., ab 6, 115 min, Kinostart: 18. Oktober 2012 bei Disney

Foto: © DreamWorks II Distribution Co., LLC. All Rights Reserved.



Mehr Infos zu "Zeit zu leben"

"People Like Us" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Filminfos in der Internet Movie Database
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