96 Hours - Taken 2

Gewaltspirale

Kinostart: 11.10.2012 | Kristina Detemple | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Prolog - irgendwo in Albanien. Ein alter Mann wirft Erde in das Grab seines Sohnes. Zuvor schwört er Rache an dem Mann, der ihn getötet hat: Bryan Mills. Der erste Teil "96 Hours" erzählte, wie der pensionierte CIA-Agent Bryan seine von albanischen Menschenhändlern entführte Tochter Kim befreit und dabei folternd über Leichen geht. Heute führt Bryan in der Nähe seiner Ex-Frau Lenore und der gemeinsamen Tochter ein ruhiges Leben in Los Angeles – hin und wieder unterbrochen von Leibwächter-Aufträgen im Ausland. Als Kim und Lenore ihn in Istanbul besuchen, beginnt die Handlung, die sich in den ersten Einstellungen angekündigt hat. In die Hochglanzbilder des Rahmens bricht etwas zutiefst Archaisches ein: Blutrache. Bryan und Lenore werden im Auftrag des nach Vergeltung dürstenden Vaters entführt. Kim jedoch kann zunächst entkommen – und es liegt nun an ihr, ihre Eltern und sich selbst zu retten.

Es folgen düstere Bilder von heruntergekommenen Innenhöfen, katakombenartigen Gängen und einer Parallelwelt auf Dächern – Istanbul als perfekte Kulisse für Verfolgungsjagden durch Untergrund und luftige Höhen. Alles ist in Farben gehalten, die zugleich erdig wie die albanischen Gräber und kühl wie die zum Einsatz kommenden Schusswaffen und Klingen sind. Sekundenbruchteile holen in Rückblenden, die eher Flashbacks der Protagonisten sind, die Vergangenheit in die Gegenwart. Rasante Schnitte statt vieler Dialoge sprechen für sich, packend inszenierte Nahkämpfe erinnern an "Tödliche Versprechen - Eastern Promises" und der Showdown ist nicht weniger gewaltig als die Entführung.

"96 Hours - Taken 2" wird vorgeworfen werden, dass der Protagonist, dem von Anfang an die Sympathien gelten, Selbstjustiz übe, dass Gewalt verherrlicht werde. Doch im Grunde trifft das Gegenteil zu. Die in Gang gesetzte Gewaltspirale kann erst enden, wenn alle Beteiligten tot sind. Dadurch, dass der Film diese gestörte Logik von Gewalt schonungslos zeigt, positioniert er sich – wie Bryan Mills, als er sagt, er sei all des Tötens müde. Am Ende ist zu erahnen, dass die vermeintliche Idylle zerbrechlich ist. Die Gewalt hat gewütet, doch es gibt Überlebende.
Kristina Detemple

(Taken 2) Frankreich 2012, Regie: Olivier Megaton, Buch: Luc Besson, Robert Mark Kamen, mit Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Rade Serbedzija, Leland Orser u.a., ab 16, 91 min, Kinostart: 11. Oktober 2012 bei Universum

Foto: © Universum



Mehr Infos zu "96 Hours - Taken 2"

"Taken 2" - die englische Filmwebseite
Die deutsche Webseite zu "96 Hours - Taken 2"
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