Zarafa reist vom Sudan nach Frankreich im Ballon
Ein Geschenk an den König von Frankreich soll die junge Giraffe Zarafa sein, die sich der Vizekönig von Alexandria von dem Beduinen Hassan aus der sudanesischen Wüste Kordofan bringen ließ. Ein Geschenk, um sich damit die Unterstützung gegen die osmanische Flotte zu erkaufen, die den Hafen seiner Stadt belagert. Von solchen politischen Mächtespielen allerdings will der zehnjährige Waisenjunge Maki nichts wissen. Schließlich hat er der Mutter der Giraffe versprochen, auf Zarafa aufzupassen. Er war es ihr schuldig, nachdem sie ihn auf der Flucht vor dem Sklavenhändler Moreno gerettet und dafür ihr Leben gelassen hatte. Von Hassan, der ihn danach in der Wüste aufgelesen hat, fühlt Maki sich verraten. Doch er hat keineswegs vor, nun aufzugeben. Als Hassan gemeinsam mit dem Luftschiffer Malaterre ein ungewöhnliches Fortbewegungsmittel für den Transport der Giraffe nach Frankreich wählt, ist Maki dabei: als blinder Passagier in einem kleinen Heißluftballon.
Durch afrikanische Wüste, über das Mittelmeer und die schneebedeckten Alpen führt die abenteuerliche Reise Maki und Zarafa in diesem klassisch animierten Zeichentrickfilm. Kaum zu glauben, dass die Geschichte im Kern auf einer wahren Begebenheiten beruht. Denn tatsächlich wurde 1827 zum ersten Mal eine Giraffe nach Paris gebracht – nur eben nicht in einem Ballon, sondern auf dem Seeweg. Aber der Film lebt davon, dass er sich selbstbewusst über solche Fakten hinwegsetzt und stattdessen fantasievolle Bilder erfindet, die das Parabelhafte der Handlung unterstreichen. Bis zur Karikatur treibt er dementsprechend auch die Darstellung des arroganten französischen Königshauses, das mit dem langhalsigen Tier nichts anzufangen weiß. Nur wenn es um die Gefühle des jungen Maki geht, ist "Die Geschichte der kleinen Giraffe Zarafa", der 2012 in der Kinderfilmreihe Generation kplus der Berlinale gezeigt wurde, ganz und gar ehrlich. Von einer tiefen Freundschaft erzählt dieser ebenso atmosphärische wie angenehm ruhig inszenierte Film, von Treue, Zusammenhalt und Verantwortung.
Stefan Stiletto
(Zarafa) Animationsfilm, Frankreich, Belgien 2011, Regie: Rémi Bezançon, Jean-Christophe Lie, Buch: Alexander Abela, Rémi Bezançon, o.A., 78 min, Kinostart: 11. Oktober 2012 bei Alamode Film
Foto: © Alamode Film
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