Für Elise

Mutter, Flasche, Kind

Kinostart: 11.10.2012 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Elise (Jasna Fritzi Bauer) ist ein Mädchen, das bereits im Alter von 15 Jahren viel Verantwortung übernehmen muss. Ihr Vater ist bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ihre Mutter Betty (Christina Grosse), eine Krankenschwester, hat den Verlust nicht verkraftet und ist darüber zur Alkoholikerin geworden. Elise hilft Betty dabei, nach außen hin den Schein zu wahren und ihren Absturz vor Lehrern und Verwandten zu verheimlichen – und ist davon, natürlich, hoffnungslos überfordert. Als Betty den Journalisten Ludwig (Hendrik Duryn) kennenlernt, der mehr werden könnte als ein bloßer One-Night-Stand, scheint es für einen Moment, als ob sich doch noch alles zum Besseren wenden könnte. Doch bald erkennt Ludwig, dass Betty Hilfe braucht – Hilfe, die er nicht leisten kann. Gleichzeitig hat er inzwischen eine beinahe väterliche Beziehung zu Elise aufgebaut, die Ludwigs Zuneigung jedoch missversteht und als sich anbahnende Liebesbeziehung interpretiert.

In seinem Langfilm-Debüt gelingt es Wolfgang Dinslage, eine scheinbar ausweglose familiäre Situation zu schildern, ohne dabei in vorhersehbare dramaturgische Muster zu verfallen. Im Zentrum der Geschichte steht die Mutter-Tochter-Beziehung: eine Gemengelage aus emotionaler Abhängigkeit, Eifersucht und unartikulierter Wut, die kulminiert, als Betty das verkauft, was für Elise am wertvollsten ist: ihr Klavier. Dinslage gelingt es zudem, die Beziehung differenziert und glaubhaft zu erzählen. Was nicht immer so gut funktioniert, ist die Inszenierung, die mitunter allzu glatt und routiniert daherkommt – auch wenn der Film Elises aufkeimende Gefühle für Ludwig in glaubhafter und unaufdringlicher Weise einfängt. Zudem wirken die Dialoge bisweilen ein wenig hölzern. Manchmal meint man gar, die Drehbuchseiten durchscheinen zu sehen. Hier fehlt es an Subtilität und einem Nuancenreichtum, der dieser durchaus komplexen Geschichte angemessen wäre. Dennoch ist "Für Elise" ein über weite Strecken berührendes Drama.
Andreas Resch

Für Elise, Deutschland 2012, Regie: Wolfgang Dinslage, Buch: Erzsébet Rácz, mit Jasna Fritzi Bauer, Christina Große, Hendrik Duryn, Annekathrin Bürger, Marie Anne Fliegel u.a., ab 12, 93 min, Kinostart: 11. Oktober 2012 bei Farbfilm Verleih

Foto: © Farbfilm Verleih



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