Australien in 100 Tagen

Reizüberflutung - Down Under

Kinostart: 4.10.2012 | Kristina Detemple | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In nur hundert Tagen 22.000 Kilometer durch Australien? Das klingt anstrengend. Doch die Begeisterung der Dokumentarfilmer Christian Wüstenberg und Silke Schranz steckt an. Erfrischend und unterhaltsam sind die präsentierten Infohäppchen – über nach Limette schmeckende Ameisen, ganze Wälder unter sich begrabende Wanderdünen, rekordverdächtigen Schlafmohnanbau und köstliche Rebsorten. Wüstenbergs Umgangssprache hat zwar den Charakter von Urlaubserzählungen am Küchentisch von Freunden, wirkt aber manchmal auch etwas künstlich. Geschmackssache – wie auch die oft allzu beschwingte Musik, die den starken Bildern zum Glück wenig anhaben kann.

Es ist schwer vorstellbar, wie viel Zeit, Präzision und Geduld hinter jedem dieser Bilder steckt, die mit Leichtigkeit über die Leinwand fliegen. Ob rote Erde im Westen oder grüner Dschungel und weißer Strand im Osten, ob aus der Luft oder unter Wasser – die Kamerafahrten beeindrucken. Als in den Blue Mountains die Luft durch ätherische Öle der Eukalyptusbäume blau schimmert, wünscht man sich, diese Bilder länger zu sehen. Und als ein Känguru-Baby aus dem Beutel direkt in die Kamera blickt oder eine große Grüne Wasserschildkröte vorbeischwimmt, erahnt man die Intensität der Tierbegegnungen.

Stark ist auch, wie Schranz und Wüstenberg mit schwierigen Themen umgehen. Sie positionieren sich etwa gegen das Füttern von wilden Tieren "mit Menschenquatsch" und kritisieren augenzwinkernd einzelne Aspekte des Tourismus. Und vor allem lassen sie sich nicht dazu hinreißen, die Konflikte der Kulturen und Bevölkerungsgruppen Australiens in der Kürze der Zeit zu bewerten. Der Film zeigt keine Folklore-Tänze aufführenden Aborigines. Er zeigt stattdessen Aborigine Brian, der am Cape Leveque ein alternatives Urlaubscamp betreibt und das Filmteam mit auf einen Ausflug nimmt. Das gemeinsame Grillen an der Lagune ist heiter – und nur ein weiteres Bruchstück dieser Reise durch einen Kontinent. Wer die schnellen Schnitte im Film als Reizüberflutung empfindet, erinnert sich nach dem Kinobesuch einfach noch ein wenig an die schlafenden Koalas, die natürlich auch ihren Auftritt haben. Oder macht sich selbst auf die Reise und lässt sich Zeit.
Kristina Detemple

Australien in 100 Tagen, Dokumentarfilm, Deutschland 2012, Buch & Regie: Silke Schranz, Christian Wüstenberg, o.A., 100 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei comfilm

Foto: © comfilm



Mehr Infos zu "Australien in 100 Tagen"

"Australien in 100 Tagen" - Filminfos vom Verleih
"Australien in 100 Tagen" auf filmportal.de
Mehr Artikel zu "Australien in 100 Tagen" auf filmz.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)