Die Qual der Wahl

Die Macht des Geldes

Kinostart: 4.10.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Im diesjährigen US-Präsidentschaftswahlkampf liefern sich Amtsinhaber Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney eine Multimillionen-Dollar-Schlacht. Lobbyisten und reiche Spender pumpen dafür Unsummen in die Kampagnen des favorisierten Lagers – so wie David und Charles Koch, die regelmäßig hohe Spenden in die Wahlkämpfe von Rechtsaußen-Republikanern fließen lassen. In offensichtlicher Anspielung auf die beiden Industriellenbrüder karikiert Jay Roachs Wahlkampf-Komödie "Die Qual der Wahl" nun den Einfluss des Geldes in der Politik. Statt der Koch-Brüder sind es darin allerdings die Motch-Brüder (Dan Aykroyd und John Lithgow), die mit ihren Finanzspritzen in North Carolina ihre manipulativen Ziele verfolgen.

Bislang war eigentlich Cam Brady der langjährige Kongressabgeordnete aus diesem Wahlkreis – vor allem mangels Konkurrenz. Weil Brady aufgrund seiner Sexeskapaden und Fehltritte nicht mehr tragbar ist, investieren die Motch-Brüder nun in einen Gegenkandidaten, der später zu ihrer Marionette werden soll. Die Wahl fällt dabei auf den Leiter des örtlichen Tourismusbüros: Marty Huggins, der innerhalb kürzester Zeit vom chancenlosen Verlierer zu einem ernst zu nehmenden Rivalen für Brady aufgemöbelt wird.

"Der Krieg hat Regeln. Schlammcatchen hat Regeln. Nur Politik hat keine Regeln", wird zu Beginn des Films Ross Perot zitiert, der in den 1990er-Jahren aussichtslos in den Kampf um die US-Präsidentschaft einstieg. Dessen Ausspruch illustriert "Die Qual der Wahl" nun mit einer Wahlkampf-Schlammschlacht der grotesk überspitzten Art, für die zwei Komikschwergewichte aufeinandergehetzt werden: Will Ferrell gibt den faulen, verschlagenen, rücksichtslosen Kongressabgeordneten Brady als notgeile Variante seiner George-W.-Bush-Parodie aus "Saturday Night Live". Und Zach  ("Hangover") verkörpert den spleenigen Konkurrenten Huggins als treue wie butterzarte Seele von Mensch, als Mopsliebhaber und grundgutmütigen Familienvater.

Bevor der Film während des Showdowns zur reinen Utopie über die Sehnsucht nach aufrichtigen, ehrlichen und wahrhaft engagierten Politikern abhebt, zielt er durchaus auf einige Auswüchse des Polit-Wahlkampf-Zirkus' – ganz gleich, ob es sich um die Macht des Geldes handelt, das gnadenlose Ausschlachten gegnerischer Fehltritte oder den Applaus für Phrasen, die zwar griffig klingen, aber völlig inhaltsleer sind. Neu sind diese Erkenntnisse zwar nicht und für eine Satire fehlt es dem Film an Biss. Als Polit-Komödie mit etwas derberer Gangart bietet Roachs Komiker-Gipfel allerdings äußerst spaßige Unterhaltung.
Sascha Rettig

(The Campaign) USA 2012, Regie: Jay Roach, Buch: Chris Henchy, Shawn Harwell, mit Will Ferrell, Zach Galifianakis, Jason Sueikis, Katherine LaNasa, Dylan McDermott u.a., ab 12, 85 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei Warner Bros.

Foto: © 2012 Warner Bros. Ent.



Mehr Infos zu "Die Qual der Wahl"

"The Campaign" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Die Qual der Wahl"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Die Qual der Wahl" auf filmz.de




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