Italy - Love it or Leave it

Bleiben oder gehen?

Kinostart: 4.10.2012 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Von wegen "dolce vita" in Italien! Die Arbeitsbedingungen sind schlecht, die traditionellen Espressokocher werden mittlerweile in China hergestellt, staatstragende Politiker haben viele Jahre lang mehr durch Skandale und Partys auf sich aufmerksam gemacht als durch gute Ideen und ganze Landstriche verkommen dank des organisierten Verbrechens zur Müllhalde. Kein Wunder, dass viele junge Italiener ihrem Heimatland längst den Rücken kehren und ihr Glück stattdessen im Ausland suchen. Gehen oder doch lieber bleiben? Das ist die Frage, die sich Luca Ragazzi und Gustav Hofer stellen. Sechs Monate geben sie sich Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Auf einer Reise durch ihr Land wollen sie unterdessen nach Argumenten suchen. Und die Fahrt beginnt natürlich – so viel Klischee muss sein – in einem Fiat Cinquecento.

Wie ein Schlagabtausch ist "Italy - Love it or leave it" angelegt. Während der Südtiroler Gustav vor allem die Schattenseiten ans Licht bringen will, plädiert der Römer Luca stets dafür, dabei doch nicht den Sinn für all das Lebenswerte zu verlieren. Es ist ein höchst vergnüglicher Trip, den die beiden Journalisten unternehmen und der sie vom industrialisierten Norden ins südliche Sizilien führt. Postkartenbilder allerdings gibt es dabei nicht zu sehen – und wenn doch, dann werden sie schon kurz danach wieder zunichte gemacht. Ob George Clooney weiß, dass Abwässer oft ungeklärt im idyllischen Lago di Como vor seiner Villa landen?

Selbstverständlich folgt der Dokumentarfilm einer inszenierten Rahmenhandlung. Und selbstverständlich spielen die beiden Regisseure nur ihre Rollen. Umso genauer aber können sie dadurch auch die gegensätzlichen Positionen herausarbeiten und Argumente gegeneinander ausspielen. Wunderbar selbstironisch gelingt es ihnen dadurch zudem, die üblichen Italien-Klischees aufs Korn zu nehmen und spielerisch zu hinterfragen. Bemerkenswert ist ihr charmantes Road Movie jedoch nicht nur im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Italien, das hier aus einer ganz alltäglich-pragmatischen Sicht gezeigt wird. Denn letztlich verbirgt sich hinter dem Film eine ganz allgemeine Frage: Was machst du, wenn du mit den gesellschaftspolitischen Verhältnissen in deinem Land nicht zufrieden bist? Wendest du dich ab? Oder versuchst du, die Dinge zu verändern? Italienische Wutbürger sind Hofer und Ragazzi sicher nicht. Aber sie legen den Finger in die Wunde.
Stefan Stiletto

Italy - Love it or leave It (Dokumentarfilm), Italien, Deutschland 2011, Buch & Regie: Gustav Hofer, Luca Ragazzi, mit Gustav Hofer, Luca Ragazzi u.a., OmU, 75 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei déjà vu

Foto: © déjà vu



Mehr Infos zu "Italy - Love it or Leave it"

"Italy - Love it or Leave it" – die offizielle Filmwebseite (italienisch, englisch)
"Italy - Love it or Leave it" – Infos vom deutschen Verleih
"Italy - Love it or Leave it" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
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