Looper

Joe versus Joe

Kinostart: 3.10.2012 | Jenni Zylka | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In ungefähr 30 Jahren wird sich die Gesellschaft, in der wir leben, in Auflösung befinden. In den USA leben arme Menschen auf den Straßen, erschießen jeden, der versucht, ihr weniges Hab und Gut anzurühren, und Motorräder werden von Düsen angetrieben. Es wird Auftragskiller geben, die ihr Honorar aus einer noch ferneren Zukunft, 30 Jahre später, bekommen: Die sogenannten "Looper" warten zu einer verabredeten Zeit an einem bestimmten Ort, an den ein von der Mafia zu Tode Verurteilter mit einer illegalen Zeitmaschine in die Vergangenheit geschickt wird. Sobald das Opfer auftaucht, wird er vom Looper erledigt. Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist so ein Auftragskiller. Irgendwann will er zwar mal aussteigen, aber vorerst hat er keine moralischen Probleme mit seinem Job. Bis sein Loop geschlossen werden und er sich selbst beseitigen soll. Dazu wird ihm sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) aus der Zukunft zu einem persönlichen Erschießungskommando geschickt.

Angesichts seines älteren Ichs versagt dann aber Joes Killerinstinkt. Der ältere Joe kann fliehen, der jüngere muss ihn jagen: Nie war der Ausdruck "vor sich selbst davonlaufen" so anschaulich. Dazu kommen unterschiedliche Motive, die beide Joes gegenteilig handeln lassen: Um das Liebesglück des Älteren, das der Jüngere noch nicht erlebt hat, zu retten, will der Ältere ein besonderes Kind umbringen, das später eine Gangsterlaufbahn einschlagen wird. Zwischen dessen Mutter und dem Jüngeren bahnt sich aber ebenfalls eine Beziehung an.

Als ein schon eigenwilliger Mix aus den bekannten und in "Terminator", "Minority Report", "12 Monkeys" oder "Memento" abgehandelten Themen spielt "Looper" mit den kausalen Verwirrungen, die Zeitreisen eben so mit sich bringen. Dazu die üblichen apokalyptischen Zustände und das langsame emotionale Aufblühen einen anfangs emotional toten Helden, und zwei Stunden Kino sind mehr als voll.

Trotz der guten Ideen und der einfallsreichen, filmtechnisch angenehm zurückgenommenen Grundstruktur mit relativ magerem Explosionsgewitter ärgert man sich jedoch über die blöde, altmodische Gender-Erzählbasis: Männer ballern, Frauen verbinden. Und wenn Tränen angerührt werden sollen, macht sich ein Kind in Gefahr immer gut. Ändert sich das denn nie? Nicht mal in ferner Zukunft?! Komischerweise schafft es der Film auch trotz sichtbarem Bemühen um Relevanz kaum, emotional nachzuwirken. Er ist weit entfernt von der tiefen Menschlichkeit von "Children of Men". Und auch wenn das Kind am Ende endlich "Mama" sagt, bleiben die Augen im Publikum trocken.
Jenni Zylka

Looper, USA 2012, Buch & Regie: Rian Johnson, mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Piper Perabo, Garret Dillahunt, Jeff Daniels u.a., ab 16, 118 min, Kinostart: 3. Oktober 2012 bei Concorde

Foto: © 2012 Concorde Filmverleih GmbH



Mehr Infos zu "Looper"

"Looper" – die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Looper"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Looper" auf filmz.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)