Ruben (Nicolas Maury) und Teemu (Jarkko Niemi)
In geborgener Zweisamkeit erwacht der Franzose Ruben (Nicolas Maury) neben seinem Freund Teemu (Jarkko Niemi), schlüpft in seine Postbotenuniform und verteilt die Briefe in seinem finnischen Wahlheimat-Städtchen. Als Ruben einem älteren Herren ein Einschreiben überreicht, nimmt das Unglück seinen Lauf: Der Mann will den Briefumschlag, der vor Geldscheinen überquillt, um keinen Preis annehmen und dem verdutzen Postboten vermachen. Bald entspinnt sich eine Rangelei, der ältere Mann erleidet einen Herzinfarkt und Ruben läuft mit dem Geld – es sind 199.980 Euro, wie eine Zählung ergibt – zu Teemu. Auch hier kommt es zum Streit und Ruben flüchtet mit dem kleinen Vermögen im Gepäck zu seiner jüdischen Familie nach Paris, die gerade das Passahfest vorbereitet. Dass der Koffer mit dem Geld am Flughafen abhanden kommt, ist da lediglich das erste Glied in einer Kette von zahlreichen kleinen und großen Missverständnissen und Zwischenfällen.
Das Kinodebüt des französischen Filmemachers Mikael Buch erinnert bisweilen an die Filme von Pedro Almodóvar ("Volver", "Die Haut, in der ich wohne"), zum Beispiel in Bezug auf die bunten Farben und die stilvollen, aus der Zeit gefallenen Interieurs. Auch die überdrehten Figuren – allen voran der quirlige und mit einer piepsigen Stimme gesegnete Ruben – könnten aus einem waschechten Almodóvar-Film stammen, würden da nicht die doppelbödigen Abgründe hinter der Fassade fehlen. "Let My People Go!" bietet nämlich vorrangig leichte Unterhaltung, die von Dialogwitz und Situationskomik lebt. Mitunter nah am Slapstick gebaut und mit einer Portion Kitsch nimmt Mikael Buch jüdische und schwule Lebenswelten gleichermaßen auf die Schippe, wobei es letztlich die gesunde Selbstironie ist, die seine turbulente Komödie sympathisch macht. Insbesondere während der Tagträume Rubens blitzen auch einige schöne visuelle Ideen auf, etwa wenn sich eine Porträtaufnahme von Romy Schneider in das Antlitz des Geliebten verwandelt.
Christian Horn
Let My People Go!, Frankreich 2011, Regie: Mikael Buch, Buch: Christophe Honoré, Mikael Buch, mit Nicolas Maury, Carmen Maura, Jean-François Stévenin, Amira Casar, Clément Sibony, Jarkko Niemi u.a., OmU, 87 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei Pro-Fun
Foto: © Pro-Fun
Kommentare
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)
Dein Kommentar
Kommentar schreiben
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)