Madagascar 3: Flucht durch Europa

Schneller! Wilder! Bunter!

Kinostart: 2.10.2012 | Sascha Rettig | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Fortsetzungen erfolgreicher Hollywood-Blockbuster entwickeln sich häufig vorhersehbar: Nach einem starken Auftakt mit frischen Ideen flüchten sich die Sequels in Effektschlachten mit immer dünneren Einfällen, Wiederverwertungen und ausgelutschten Figuren. Die "Madagascar"-Animationsfilme allerdings widersetzen sich diesem ungeschriebenen Gesetz der Serie. Nach einer Steigerung mit Teil zwei hat man nun das Gefühl, dass die Odyssee des Zootier-Quartetts mit "Madagascar 3: Flucht durch Europa" erst richtig abhebt.

Auserzählt war die Odyssee der Zootiere, die es im ersten Teil aus New York nach Afrika verschlagen hatte, ohnehin noch nicht. Noch immer sitzen der Show-Löwe Alex, das aufgedrehte Zebra Marty, die Nilpferd-Diva Gloria und das neurotisch hypochondrische Zebra Melman fernab der Heimat fest. Doch nun wollen sie endlich wieder nach Hause, in den Zoo im Central Park, und der Weg dorthin führt über einen wilden Trip quer durch Europa. Abgesehen von diesem losen Erzählrahmen gibt es in "Madagascar 3" kaum etwas, was wirklich an so etwas wie eine Handlung erinnert. Die braucht der Film aber auch nicht, denn er beherrscht die Kunst der Ablenkung und feuert aus allen Rohren: Das Animationsabenteuer trägt sich mit irrwitzigem Ideenreichtum und konstanter Überbietung weitestgehend durchhängerfrei über mehr als 90 Minuten.

Dabei wird das New Yorker Grüppchen auch durch eine ganze Reihe possierlicher bis schräger Neuzugänge und bereits bekannter Sidekicks verstärkt. Die Pinguine mit Erfindertalent, die inzwischen eine eigene TV-Serie bekommen haben, tauchen ebenso auf wie der herrlich egozentrische Lemurenkönig Julien, der sich diesmal in einen traurigen Braunbären im Tütü verguckt. Letzterer stammt aus einem Wanderzirkus, dem sich Alex & Co irgendwann anschließen und unter anderem Bekanntschaft mit einem traumatisierten sibirischen Tiger und einer italienischen Jaguar-Lady machen. Als Widersacherin tritt die herrlich groteske Polizistin Chantal DuBois auf den Plan. Garstig und wie ein Spürhund dauernd mit der spitzen Nase auf dem Boden heftet sie sich den Tieren an die Fersen, wenn sie nicht gerade ihre eingegipsten Kollegen mit einer Chanson-Einlage ins Leben zurückholt. In einem rasanten Schauplatzwechsel, der selbst Bond und Bourne fast schon blass aussehen lässt, führt die Verfolgungsjagd zu einem ersten Zwischenstopp in Monte Carlo über Rom bis nach London. Das 3D, das erstmals in einem "Madagascar"-Film eingesetzt wird, passt dazu: Mit der dritten Dimension soll schließlich weniger eine Tiefe des Raumes kreiert als vielmehr das Publikum mit achterbahnartigen Effekten ins Geschehen gezogen werden.

Sicher, dieses "Schneller! Wilder! Bunter!" befeuert nicht nur mit Eindrücken und macht irgendwann ziemlich satt. Auch erzählerisch und animationstechnisch kann dieser "Madagascar"-Trip immer noch nicht ganz zur Konkurrenz durch die Pixar-Studios ("WALL·E") aufschließen. Dennoch kann sich diese unterhaltsame Jagd durch Europa visuell sehen lassen und bietet zum Schluss ein Manegen-Finale mit einer fast schon psychedelischen Farbexplosion. Diese Show trägt das Tierquartett nicht nur endlich wieder zurück nach New York, sondern auf der Woge des Erfolgs wohl auch in einen vierten Teil.
Sascha Rettig

(Madagascar 3: Europe's Most Wanted) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Eric Darnell, Buch: Eric Darnell, Noah Baumbach, o.A., 93 min, Kinostart: 2. Oktober 2012 bei Paramount

Foto: © Paramount



Mehr Infos zu "Madagascar 3: Flucht durch Europa"

"Madagascar 3: Europe's Most Wanted" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Madagascar 3: Flucht durch Europa"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Madagascar 3: Flucht durch Europa" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

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Was bisher geschah...

Besser als gedacht...

Ich hab mir den Film in 2D angeschaut und hab meinen Bruder( 10 Jahre) eingeladen wo doch jetzt Herbstferien in NRW sind. Klar kann der Film nicht mit z.Bsp. WALL-E mithalten. Doch als ich den Trailer gesehen habe war selbst ich skeptisch,trotzdem habe ich meinen Bruder begleitet und es nicht bereut. Der Film ist super zum Lachen, wer sich Tiefgründigeres anschauen will, kann bei der Tagesschau anfangen.Für mich ist der Film für jede Generation gedacht. Nicht nur Saures macht lustig, auch Animationsfilme mit Humor für jedermann.

Yassmin B. | 11. Oktober 2012   19:56

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