Paris Manhattan

Der Mann ihrer Träume

Kinostart: 4.10.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Woody Allen war immer ein Fan: Groucho Marx, Cole Porter, Fellini, Bergman – ohne die Liebe zu seinen Vorbildern wäre sein gesamtes Filmwerk undenkbar. In "Mach's noch einmal, Sam" (1972) ging er die Sache knallhart an und sprach mit einem imaginären Humphrey Bogart, wodurch sich das Konzept von "Paris - Manhattan" hinreichend erklärt: Alice (Alice Taglioni) spricht mit Woody Allen in Form seines Plakats, das bei ihr im Schlafzimmer hängt – Freud wäre begeistert. Seit dem Alter von 15 liebt sie einen kleinen neurotischen Mann aus Brooklyn, da sah sie das erste Mal einen Film von ihm. Wer diese Verehrung nicht teilt, wird verstoßen oder mit einem Stapel DVDs versorgt, um sich zu kurieren. Richtig geraten, Alice ist Apothekerin und ihr Verhältnis zu Männern eine Katastrophe. Aber wer weiß, vielleicht klappt es ja mit dem Alarmanlagenbauer Victor (Patrick Bruel), der es irgendwie schafft, witzig zu sein – ohne je einen Film von Woody Allen gesehen zu haben.

In ihrer leichtfüßigen Hommage begeht Sophie Lellouche nicht den Fehler, die Schwärmerei ihrer Heldin als Realitätsflucht zu diagnostizieren. Das wäre nicht französisch und auch gegen alle Lehren des Meisters. Wer so liebevoll Reminiszenzen des Gesamtwerks in einen Film einstreut wie die junge Debütantin, kennt das Problem übersteigerten Fantums aus erster Hand. Doch zu einer Lösung ist sie nicht gekommen. Klar, da gibt es die besorgte jüdische Verwandtschaft und deren Versuche, Alice zu verkuppeln, ebenso wie kleine Slapstickeinlagen, etwa den nächtlichen Einbruch in eine Wohnung, zu dem sich aus haarsträubenden Gründen auch die Eltern einfinden. Doch ihre eigene Sprache findet Lellouche nicht. Das ist dann doch der Unterschied zum guten Woody, der bis heute damit kokettiert, seine Helden nie erreicht zu haben.

Dem leidenschaftlichen Romantiker ging es immer darum, wie moderne Frauen und Männer – vorausgesetzt: in Bestform – miteinander reden und streiten. Grundlage war Freuds Psychoanalyse oder was er dafür hielt. In Lellouches dünnen Dialogen hingegen bleibt jederzeit offen, was die Charaktere eigentlich umtreibt. Warum kann sich Alice nicht spontan in Victor verlieben? Was genau fasziniert sie an Woody Allen? Das gehört nicht zart angedeutet, sondern breit ausgewalzt und diskutiert! Die einzig klaren Worte findet im ganzen Film nur Monsieur Allen persönlich, in seinen ohne Frage saukomischen Off-Kommentaren vom Plakat ("Was man nicht weiß, tut nicht weh – es bringt einen um!") und am Schluss sogar in einem schönen Selbstauftritt.
Philipp Bühler

Paris - Manhattan, Frankreich 2012, Buch & Regie: Sophie Lellouche, mit Alice Taglioni, Patrick Bruel, Marine Delterme, Michel Aumont, Marie-Christine Adam, Louis-Do de Lencquesaing u.a., o.A., 78 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei Senator

Foto: © Senator



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