Schönheit

Was nicht passt, wird passend gemacht

Kinostart: 4.10.2012 | Cosima Grohmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Dass der Busen ein wenig hing, daran warst du auch mit Schuld", sagt der Schönheitschirurg zu seiner Frau, während er vor laufender Kamera aufzählt, welche OPs er bereits an ihr hat machen lassen. Gemeint sind mit dieser "Schuld" die drei Schwangerschaften der namenlosen Ehefrau. Der Dokumentarfilm "Schönheit" von Carolin Schmitz porträtiert eine Handvoll recht typischer Patienten, die sich für ein fragwürdiges Ideal unters Messer legen. Heraus kommt dabei größtenteils das, was man aus unzähligen Fernsehreportagen und Zeitungsartikeln bereits kennt: Das Geschäft mit der Schönheit ist lukrativ, aber auch absurd, besonders dann, wenn die Gründe dazu banal sind: Am Ansatz soll der Busen voller sein, der Höcker auf der Nase stört und die Augenbrauen wirken böse.

Trotz dieser – von den Protagonisten ohne jeglichen Humor oder Selbstreflexion vorgetragenen – Beweggründe für eine Schönheitsoperation schafft es die Regisseurin, mit ihren Bildern nicht zu werten. Sie gestattet den Zuschauern, sich selbst eine Meinung zu bilden. Eines ihrer Stilmittel sind dabei überlange Standbilder, in denen sie mit der Kamera nach einem Statement noch ein wenig länger draufhält als nötig. Schade nur, dass sich dieses Verfahren erst ab der zweiten Hälfte des Films so richtig etabliert. Auch die collagenartige Aneinanderreihung der einzelnen Interviewsequenzen wirkt eher wie der letzte Rohschnitt als ein ausgereiftes dramaturgisches Konzept.

Immerhin, in den Szenen, in denen die Protagonisten zugeben, dass die Operationen wie eine Sucht wirken und den Hunger nach noch einer größerer Perfektion entfachen oder wenn etwa eine der Frauen von der "Traumbrust" spricht, die sie in ihrer Selbsterfahrungsgruppe für brustoperierte Frauen gefunden hat, bekommt der Zuschauer einige wertvolle Momente serviert, die wohl nur entstehen können, wenn man das Thema auf Dokumentarfilm-Länge ausweitet. Und auch die Verknüpfung zu anderen Statussymbolen, wie etwa schnelle Autos, perfekt eingerichtete Wohnungen oder ein nach Farben sortierter Kleiderschrank, macht klar, dass Schönheit nur eines von vielen Idealen ist, das in der Welt der Luxusgüter zu möglichst hundert Prozent erreicht werden soll. Diese Erkenntnis rettet über einige Längen hinweg, in denen das Tempo des Films sich zu sehr von den lahmen Rechtfertigungen seiner Protagonisten beeinflussen lässt.
Cosima Grohmann

Schönheit (Dokumentarfilm), Deutschland 2011, Buch & Regie: Carolin Schmitz, mit Christin Röllich, Fatima Valentic, Arnold Dircks, Dr. Claudius Ullmann, Doris Hauten u.a., o.A., 81 min, Kinostart: 4. Oktober 2012 bei Farbfilm Verleih

Foto: © Farbfilm Verleih



Mehr Infos zu "Schönheit"

"Schönheit" - Filminfos vom deutschen Verleih
"Schönheit" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Schönheit" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)