Sound of Heimat

Jodeln, Rappen und Schunkeln

Kinostart: 27.9.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wie klingt eigentlich Deutschland? Und, noch interessanter: Warum hat der Deutsche ein solch gebrochenes Verhältnis zu diesem Klang? Diesen beiden Fragen versuchen Arne Birkenstock und Jan Tengeler in "Sound of Heimat" auf den Grund zu gehen, indem sie den neuseeländischen Musiker Hayden Chisholm auf eine Forschungsreise durch Deutschland schicken. Der Protagonist hat in Deutschland Musik studiert und ist seitdem in der ganzen Welt unterwegs, "immer auf der Suche nach ursprünglicher Musik". Dabei hat er festgestellt, dass allein die Deutschen "ein Problem mit Volksmusik haben".

Warum das so ist, das versucht Chisholm in einer Kölner Karnevalskneipe zu ergründen oder während eines Segeltörns auf der Nordsee. Er wandert in die Allgäuer Berge, um das Jodeln zu erlernen, und befragt Rapper, die die Lieder der Edelweißpiraten in die Moderne hinüberretten. Im Fränkischen trifft er die Organisatoren des "Anti-Stadels", wo "die Volksmusik aufgemischt wird", und im "tiefsten Bayern" besucht er die Well-Schwestern, um sich im Tanzen des traditionellen Drehers unterrichten zu lassen. Er reist mit dem Gewandhaus-Chor zu einem Musikfestival, wo dann ein chinesisches Orchester schön schräg deutsche Volkslieder interpretiert, und er geht mit einem Bandoneon-Bauer Pilze sammeln im Vogtland. Dann stellen die beiden Filmemacher ihren Protagonisten mitten in den deutschen Wald und lassen ihn auf seiner Klarinette die Melodie eines Volksliedes vortragen. Manchmal trägt Chisholm auch seinen Instrumentenkoffer durch die fallenden Herbstblätter.

Abgesehen von solchen Klischees stellt "Sound of Heimat" mit viel Ruhe und in sehr schönen Bildern einige interessante Musiker und Projekte vor, die sich um Erhaltung und Modernisierung deutscher Volksmusiken verdient gemacht haben. Aber bei der Beantwortung der spannenden Frage, warum in diesem Land der Umgang mit den eigenen Liedtraditionen so kompliziert ist, bleibt er doch arg an der Oberfläche. Ein Holocaust-Überlebender berichtet, wie er im Konzentrationslager "Alle Vöglein sind schon da" singen musste, und auch die Musiker von Liederjan finden, die Nazis seien schuld. Dann wird Hayden Chisholm noch mal auf eine saftige bayerische Wiese gestellt und bläst in einen Dudelsack. Das ist schön, aber wie klingt denn nun Heimat? Und warum gerade so?
Thomas Winkler

Sound of Heimat - Deutschland singt! (Dokumentarfilm) Deutschland 2011, Buch & Regie: Arne Birkenstock, Jan Tengeler, mit Hayden Chisholm, Antistadl, BamBam Babylon Bajasch, Bobo, Wladyslaw Kozdon u.a.,o.A., 93 min, Kinostart: 27. September 2012 bei 3Rosen

Foto: © 3Rosen



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